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Kapitel 1 · Einführungskurs

Grundlagen der
Umfrageforschung

Marktforschung, Umfragemethodik und ihre praktische Anwendung — vom Forschungsproblem zum Ergebnisbericht.

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Kapitel 1 · Einführungskurs

Grundlagen der Umfrageforschung

Marktforschung, Umfragemethodik und ihre praktische Anwendung — vom Forschungsproblem zum Ergebnisbericht.

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Kapitel 1 · Einführungskurs

Grundlagen der
Umfrageforschung

Marktforschung, Umfragemethodik und ihre praktische Anwendung — vom Forschungsproblem zum Ergebnisbericht.

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Kapitel 1 · Einführungskurs

Grundlagen der
Umfrageforschung

Methodisch fundiert. Praktisch anwendbar.

Marktforschung, Umfragemethodik und ihre praktische Anwendung — vom Forschungsproblem zum Ergebnisbericht.

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Kapitel 1 · Einführung Inhaltsverzeichnis

Inhalt


01 Einführung
1.1Marktforschung und Umfrage
1.2Typologie der Marktforschung
02 Umfrage: Messung und Skalierung
2.1Einführung
2.2Komparative Skalen
2.3Nicht-komparative Skalen
2.4Latente Konstrukte
2.5Reliabilität und Validität
03 Fragebogen
3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
04 Stichproben
4.1Nicht-zufällige Stichproben
4.2Zufällige Stichproben
4.3Wahl zwischen zufälligen und nicht-zufälligen Stichproben
4.4Größe der Stichprobe
05 Datenanalyse: Übersicht über statistische Techniken
5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Kann man die Ergebnisse auf die Grundgesamtheit übertragen?
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
06 Fortgeschrittene Techniken der Marktforschung: Einige nützliche Konzepte
6.1Conjoint-Analyse
6.2Marktsimulationen
6.3Segmentierung
6.4Wahrnehmungskarten
07 Ergebnisse Berichten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 02 / 274
Kapitel 1 Sektionsübersicht
1
Kapitel

Einführung

1.1Marktforschung und Umfrage
1.2Typologie der Marktforschung
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 03 / 274
Kapitel 1 · Einführung Sektionsübersicht
1
Kapitel

Einführung

1.1Marktforschung und Umfrage
1.2Typologie der Marktforschung
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 04 / 274
1.1 · Marktforschung und Umfrage Definitionen

Was ist Forschung?


Forschung ist

Alle systematischen Bestrebungen und Bemühungen, um neue Erkenntnisse für Wissenschaft oder Industrie zu erlangen.

— Lexikon
Forschung ist

Suche und Sammlung von Informationen und Ideen in Antwort auf eine spezifische Fragestellung.

— Praktische Definition
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 05 / 274
1.1 · Marktforschung und Umfrage Definition

Umfrage


Umfrage

Umfrage ist eine der populärsten Methoden, primäre Daten zu erheben, wobei der Forscher mit Befragten interagiert, um Informationen über Einstellungen, Meinungen, Wissen und Verhaltensweisen von Menschen zu gewinnen.

1Einstellungen & Meinungen — wie Menschen denken und urteilen
2Wissen — was Menschen kennen und verstehen
3Verhaltensweisen — was Menschen tatsächlich tun
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 06 / 274
Eisberg-Metapher: Entscheidungsträger auf dem Schiff sieht nur die sichtbaren Symptome, der Forscher taucht zum eigentlichen Problem.
1.1 · Marktforschung und Umfrage Problemverständnis

Marktforschung

Entscheidungsträger Entscheidungsproblem Forscher Unzufriedene Kunden Gesunkener Marktanteil Fallende Verkäufe Geringer Traffic Über WasserSichtbare und messbare Symptome Grenzwertige Leistung vom Verkaufsteam Mangelhafte Belieferung Unzureichende Qualität der Produkte Unethischer Umgang mit Kunden Schlechtes Image Unter WasserDas eigentliche Business- bzw. Entscheidungsproblem
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 07 / 274
1.1 · Marktforschung und Umfrage Anwendungsbereiche

Praktische Nutzung von Umfragen


DisziplinAnwendung
Soziologie und Politikwissenschaften Meinungsforschung, Identifikation der Einstellungen von Bevölkerungsgruppen gegenüber sozial bedeutenden Phänomenen, Ereignissen und Fakten; Wahlforschung (z. B. Sonntagsfrage), …
Psychologie Persönlichkeitstests, Intelligenztests, Identifikation individueller Stärken und Schwächen, psychischer Stabilität, kognitiver Störungen, sozialer Einflüsse, …
Personalwesen Messung von Mitarbeiterzufriedenheit, Loyalität, Potenzialen, Persönlichkeitsmerkmalen, Führungsqualitäten, Produktivität, professioneller Eignung, Stressresistenz, Work-Life-Balance, …
Marketing Markt- und Verbraucherforschung, Messung von Imagewahrnehmung, Präferenzen, Zufriedenheit und Loyalität (NPS), Zahlungsbereitschaft; Segmentierung, Positionierung, Preisbestimmung, Werbetests, Usability von Webseiten, …
Wissenschaft (im Allgemeinen) Untersuchung von Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Variablen, Faktoren, Phänomenen; Skalen- und Methodenentwicklung für wissenschaftliche und praktische Zwecke, …
Bildung Wissenstests (Multiple-Choice-Prüfungen), Studenten- und Lehrerevaluation; großangelegte Bildungsstudien (z. B. PISA), …
… und viele weitere Anwendungsfelder
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 08 / 274
1.1 · Marktforschung und Umfrage Prozessmodell

Prozess der Marktforschung — die „5 D’s"


D1Definitions­phase
  • Informationsbedarf identifizieren
  • Forschungsproblem und -fragen definieren
  • Forschungsziele festlegen
  • Informationswert prüfen
D2Design­phase
  • Budget
  • Datenquellen
  • Forschungs­methoden
  • Stichprobenplan
  • Kontakt­methoden
  • Methoden der Datenanalyse
D3Datenerhebungs­phase
  • Daten entsprechend dem Plan erheben
  • oder externen Dienstleister beauftragen
D4Datenanalyse­phase
  • Daten statistisch und subjektiv analysieren
  • Antworten und Implikationen ableiten
D5Dateninterpretations­phase
  • Ergebnisse der Datenanalyse formulieren
  • Forschungsbericht aufbereiten
Ergebnisse haben keinen praktischen Wert, wenn das Forschungs­problem nur vage definiert ist.
Der Plan muss im Voraus festgelegt, dennoch flexibel sein — um notwendige Anpassungen einbauen zu können.
Diese Phase ist sehr kostspielig und sehr fehleranfällig.
Wahl der Datenanalysemethode hängt im Wesentlichen vom Forschungstyp ab.
Aktionsfähige Schlüssel­ergebnisse statt überwältigende statistische Methoden präsentieren.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 09 / 274
1.1 · Marktforschung und Umfrage Grenzen der Marktforschung

Wann sollte man keine Marktforschungs­projekte starten?


FallKommentar
Vage ZieleWenn Manager sich nicht darauf einigen können, welche Informationen sie zur Entscheidungsfindung brauchen. Marktforschung hilft nur, wenn sie eine konkrete Frage untersucht.
Fixierte HaltungWenn die Entscheidung bereits getroffen ist und die Studie nur als „Abstempelung" eines vorgefassten Plans dienen soll.
Zu spätWenn Ergebnisse zu spät bereitgestellt werden, um die Entscheidung noch beeinflussen zu können.
Schlechtes TimingWenn ein Produkt in der Degenerationsphase ist, macht es wenig Sinn, neue Produktvariationen zu erforschen.
Unzureichende RessourcenEs lohnt sich nicht, eine quantitative Studie aufzusetzen, solange keine statistisch signifikante Stichprobe realisierbar ist — oder wenn die Finanzen nicht reichen, die resultierenden Entscheidungen umzusetzen.
Kosten überwiegen VorteileDer erwartete Informationswert sollte die Kosten der Datenerhebung und -analyse übersteigen.
Ergebnisse nicht aktionsfähigWenn z. B. psychographische Charakteristiken genutzt werden, die nicht helfen, konkrete Entscheidungen zu treffen.
Informationen nicht erforderlichWenn entscheidungsrelevante Informationen bereits vorhanden sind.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 10 / 274
Kapitel 1 · Einführung Sektionsübersicht
1
Kapitel

Einführung

1.1Marktforschung und Umfrage
1.2Typologie der Marktforschung
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 11 / 274
1.2 · Typologie der Marktforschung Drei Ordnungskriterien

Typologie der Marktforschung


Kriterium 1
Nach Zielen
Explorativauch diagnostisch
Deskriptiv
Kausalauch prädiktiv, experimentell
Kriterium 2
Nach Datenquellen
Primärselbst erhobene Daten
Sekundärbereits vorhandene Daten
Kriterium 3
Nach Methodologie
Qualitativverstehen
Quantitativmessen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 12 / 274
1.2 · Typologie der Marktforschung Nach Forschungszielen

Marktforschungstypologie nach Zielen


Unsicherheit beeinflusst den Marktforschungstyp
Unsicher
Sicher
Niedrige Klarheit
Explorativ
auch diagnostisch
Problem noch ungenau definiert; Hypothesen werden gebildet.
Analyse von Daten und Aktionen, um Probleme besser zu verstehen
  • Welche Gründe könnten hinter der sinkenden Kundenzufriedenheit stecken?
  • Was hält Erstkäufer davon ab, erneut zu kaufen?
Mittlere Klarheit
Deskriptiv
Phänomene werden systematisch beschrieben und gemessen.
Sammeln und Präsentation von Fakten: wer, was, wann, wo, wie?
  • Wie sieht der historische Umsatztrend in der Branche aus?
  • Wie sind die Einstellungen der Konsumenten gegenüber unserem Produkt?
Hohe Klarheit
Kausal
auch prädiktiv, experimentell
Ursache-Wirkungs-Beziehungen werden geprüft.
Analyse der Ursache-Wirkungs-Beziehungen — „Was wäre wenn?“
  • Vorhersage der Ergebnisse von Marketing-Aktionen
  • Einfluss von Werbeausgaben auf den Umsatz (wieviel bringt ein Werbe-Euro?)
Kleinere Umfragen, Focus-Groups, Interviews
Größere Umfragen, Beobachtung, usw.
Experimente, A/B-Tests, Konsumentenpanels
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 13 / 274
1.2 · Typologie der Marktforschung Nach Datenquellen

Marktforschungstypologie nach Datenquellen


DatenquellePrimär
  • Generierung von Daten, die bisher noch nicht vorliegen. Diese Daten werden analysiert und können ggf. vom Forscher veröffentlicht werden.
Typische MethodenUmfragen, Interviews, Beobachtung, Experimente, …
DatenquelleSekundär
  • Verwendung von zu einem früheren Zeitpunkt erhobenen Daten für den beabsichtigten Untersuchungszweck.
Typische MethodenLiteraturrecherche: Bibliothek, Web, Datenbank, Archiv
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 14 / 274
1.2 · Typologie der Marktforschung Nach Methodologie

Marktforschungstypologie nach Methodologie


MethodologieQuantitativ
  • Beinhaltet Sammlung und Auswertung von Daten
  • Erfordert große Datenmengen, verwendet statistische Methoden
  • Strebt Repräsentativität der Ergebnisse an
Typische MethodenGrößere Umfragen, Beobachtung, usw.
MethodologieQualitativ
  • Versucht Konsumentenverhalten und seine Ursachen zu verstehen
  • Schwerpunkt auf Individuen und kleinen Gruppen
  • Nicht repräsentativ — eine Sichtweise verstehen, nicht alle
Typische MethodenKleinere Umfragen, Focus-Groups, Interviews, …
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 15 / 274
1.2 · Typologie der Marktforschung Methodenkombination

Triangulation


Triangulation — die Kombination von Methoden in der Studie zu demselben Thema.

Robson (1998) · Visocky & Visocky (2009)

Venn-Diagramm: drei Methoden überlappen sich, ihre gemeinsame Schnittmenge führt zur Wahrheit. ZielWahrheit Literaturrecherche Befragung Interview
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 16 / 274
Chaotisch verwirbelte Lichtspuren in den Triangulationsfarben Rot, Grün und Blau.
1.2 · Typologie der Marktforschung Methodenideal vs. Realität
Soweit die Theorie …

Aber in Wirklichkeit ist alles chaotischer.

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Kapitel 1 · Teil 2 Sektionsübersicht
2
Teil

Umfrage: Messung und Skalierung

2.1Einführung
2.2Komparative Skalen
2.3Nicht-komparative Skalen
2.4Latente Konstrukte
2.5Reliabilität und Validität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 18 / 274
Kapitel 1 · Teil 2 Sektionsübersicht
2
Teil

Umfrage: Messung und Skalierung

2.1Einführung
2.2Komparative Skalen
2.3Nicht-komparative Skalen
2.4Latente Konstrukte
2.5Reliabilität und Validität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 19 / 274
2.1 · Einführung Grundbegriffe

Messung


Orange, von einem Maßband umschlungen — Sinnbild für Messung.
Messung

Messung — Zuweisung von Zahlen oder anderen Symbolen zu Charakteristiken von Objekten nach einer bestimmten, vorgegebenen Regel.

1Eins-zu-eins-Entsprechung der Zahlen und der zu messenden Größen
2Standardisierte Regeln für die Zuweisung der Zahlen
3Regeln dürfen nicht von Objekt zu Objekt oder in der Zeit variieren
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 20 / 274
2.1 · Einführung Grundbegriffe

Skalierung


Skalierung — beinhaltet ein Kontinuum, auf dem die Messobjekte angeordnet werden.

Schokolade
Schokolade
Apfel
Apfel
Chips
Chips
Lakritz
Lakritz
Extrem lecker Extrem übel
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 21 / 274
2.1 · Einführung Messung und Skalierung

Grundlegende Typen von Skalen


Nominal
  • Zahlen dienen lediglich zur Klassifizierung der Objekte
  • nicht-kontinuierliche Skala
Ordinal
  • Zahlen geben die relativen Positionen der Objekte an
  • aber nicht die Größe der Differenz zwischen ihnen
Intervall
quasi-metrisch
  • Unterschiede zwischen Objekten können verglichen werden
  • Nullpunkt willkürlich
Metrisch
auch Ratio
  • Nullpunkt eindeutig festgesetzt
  • Verhältnisse der Skalenwerte können berechnet werden
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 22 / 274
2.1 · Einführung Skalenniveaus

Wichtige Skalen in Marketing


Skala Beschreibung Gängige Beispiele Beispiele aus Marketing Statistische Kennzahlen
Deskriptive Induktive
Nominal­skala Zuweisung von Zahlen zur Identifikation und/oder Klassifikation von Objekten Reisepass-Nummer, Nummer vom Fußballspieler, Geschlecht Brand, Geschlecht, Beruf, Typ des Lokals Prozent­werte, Mode Chi-Quadrat, Binomialtest
Ordinal­skala Zahlen beschreiben die Rangordnung der Objekte, jedoch nicht das Ausmaß der Unterschiede zwischen ihnen Schulnoten, Position der Läufer im Marathonlauf Präferenz­ranking, Marktposition, soziale Klasse Perzentile, Median Rangkorrelations­koeffizient (Spearmans ρ), Friedman-ANOVA
Intervall­skala Ermöglicht den Vergleich der Unterschiede zwischen Objekten; Nullpunkt willkürlich Temperatur (Fahrenheit, Celsius) Einstellungen, Meinungen, Kaufabsicht, Kundenzufriedenheit, Index-Zahlen Range, Durchschnitt, Standard­abweichung Produkt-Moment-Korrelation (Pearsons r), t-Tests, ANOVA, Regressions- und Faktorenanalyse
Metrische Skala Nullpunkt ist eindeutig festgelegt; ermöglicht den Vergleich der Abstände zwischen den Messwerten und deren Verhältnisse Länge, Gewicht, Zeit, Geld Alter, Umsatz, Einkommen, Kosten, Marktanteil Geometrisches Mittel, Harmonisches Mittel Variations­koeffizient
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 23 / 274
2.1 · Einführung Übersicht

Typologie von Skalierungsverfahren


Wurzel
Skalierung
Komparative Skalen
Objekte werden direkt miteinander verglichen
Paarweise Vergleiche Rangordnungsverfahren Konstantsummenverfahren Q-Sortierung & andere
Nicht-komparative Skalen
Jedes Objekt wird isoliert beurteilt
Kontinuierliche Ratingskalen
Diskrete Ratingskalen
Likert-Skala Semantisches Differential Stapel-Skala
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 24 / 274
2.1 · Einführung Gegenüberstellung

Vergleich von Skalierungsverfahren


Direkt
Komparative Skalen

Der Messwert eines Objekts ergibt sich aus dem direkten Vergleich mit einem anderen Objekt.

Daten können nur als relative Positionen interpretiert werden — nur ordinales Skalenniveau (Rangordnung).

Isoliert
Nicht-komparative Skalen

Jedes Objekt wird isoliert beurteilt — also unabhängig von anderen Objekten.

Messergebnisse werden i. d. R. als intervallskaliert oder metrisch gesehen.

Die Wahl zwischen den Skalierungs­verfahren hängt ab von:
Natur der Forschungsfrage Variabilität des Messwertes in der Grundgesamtheit Methoden der Datenanalyse
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 25 / 274
Kapitel 1 · Teil 2 Sektionsübersicht
2
Teil

Umfrage: Messung und Skalierung

2.1Einführung
2.2Komparative Skalen
2.3Nicht-komparative Skalen
2.4Latente Konstrukte
2.5Reliabilität und Validität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 26 / 274
2.2 · Komparative Skalen Fokus

Typologie von Skalierungsverfahren


Wurzel
Skalierung
Komparative Skalen
Objekte werden direkt miteinander verglichen
Paarweise Vergleiche Rangordnungsverfahren Konstantsummenverfahren Q-Sortierung & andere
Nicht-komparative Skalen
Jedes Objekt wird isoliert beurteilt
Kontinuierliche Ratingskalen
Diskrete Ratingskalen
Likert-Skala Semantisches Differential Stapel-Skala
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 27 / 274
2.2 · Komparative Skalen Bewertung

Vor- und Nachteile von komparativen Skalen


+

Vorteile

  • Geringe Unterschiede zwischen Objekten können registriert werden
  • Dieselben bekannten Referenzpunkte für alle Probanden
  • Einfach zu verstehen und zu nutzen
  • Benötigen weniger theoretische Annahmen
  • Reduzieren tendenziell Halo- und Carryover-Effekte

Nachteile

  • Lediglich ordinales bzw. Rangordnungs-Skalenniveau → beschränkte Auswahl an statistischen Methoden zur Datenanalyse
  • Daten können nur als relative Positionen interpretiert werden
  • Unmöglich, über das Set der bewerteten Objekte hinaus zu generalisieren
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 28 / 274
2.2 · Komparative Skalen Methode

Komparative Skalen: Paarweise Vergleiche


i

Paarweise Vergleiche

Probanden wählen aus jeweils zwei Objekten dasjenige aus, das nach ihrer Meinung ein bestimmtes Kriterium am besten erfüllt.

Im Folgenden werden Ihnen zehn Paare von Biermarken vorgelegt. In jedem Paar wählen Sie bitte das Bier aus, welches Sie eher kaufen würden.

Warsteiner
Köstritzer
Oettinger
Becks
Paulaner
Warsteiner
Köstritzer
Oettinger
Becks
Paulaner
# Mal präferiert
3
2
0
4
1
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 29 / 274
2.2 · Komparative Skalen Praxisbeispiel

Komparative Skalen: Paarweise Vergleiche


Wären diese zwei Computer in allem anderen gleich — welchen würden Sie bevorzugen?
Paar 3 von 10
Computer links
1 TB SSD
128 GB RAM
Computer rechts
2 TB SSD
36 GB RAM
Klar links bevorzugt Eher links Neutral Eher rechts Klar rechts bevorzugt
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 30 / 274
2.2 · Komparative Skalen Bewertung

Paarweise Vergleiche: Vor- und Nachteile


+

Vorteile

  • Direkter Vergleich und eindeutige Auswahl
  • Gut für Blindtests, Produktvergleiche und MDS
  • Ermöglicht die Berechnung des prozentualen Anteils der Probanden, die ein Objekt bevorzugen
  • Rangordnung kann geschätzt werden (unter Annahme der Transitivität)
  • Mögliche Erweiterungen: Alternative „keine Unterschiede", abgestufter Vergleich

Nachteile

  • Anzahl der Vergleiche wächst schneller als die Anzahl der Objekte — für n Objekte n(n−1)/2 Vergleiche
  • Reihenfolgeeffekte möglich (Einfluss der Präsentationsreihenfolge)
  • Aus Präferenz von A über B folgt nicht, dass der Proband A mag
  • Wenig realistisch für reale Wahlsituationen mit mehreren Alternativen
  • Verletzung der Transitivitätsannahme möglich
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 31 / 274
2.2 · Komparative Skalen Ordinale Daten

Verletzung der Transitivitäts­annahme in paarweisen Vergleichen


Derselbe Proband, dieselbe Paarung — und trotzdem widersprüchliche Antworten:

Vergleich 1 Apfel > Tomate
Vergleich 2 Tomate > Apfel

Aus „Apfel ≻ Tomate" und „Tomate ≻ Apfel" lässt sich keine Rangordnung bilden — die Präferenzen sind widersprüchlich (intransitiv).

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 32 / 274
2.2 · Komparative Skalen Ordinale Daten

Verletzung der Transitivität bei Aggregation von Präferenzen


Proband #1
1Apfel
2Tomate
3Orange
Proband #2
1Tomate
2Orange
3Apfel
Proband #3
1Orange
2Apfel
3Tomate
Stimmenzählung
ApfelTomate2 : 1
TomateOrange2 : 1
OrangeApfel2 : 1

Apfel ≻ Tomate ≻ Orange ≻ Apfel. Apfel wird gleichzeitig am meisten und am wenigsten präferiert — die Gruppenpräferenzen sind inkonsistent!

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 33 / 274
2.2 · Komparative Skalen Methode

Komparative Skalen: Rangordnungsverfahren


i

Rangordnungs­verfahren

Probanden bringen mehrere Objekte in eine Reihenfolge — basierend auf einem bestimmten Kriterium.

Ordnen Sie bitte die unten aufgeführten Marken von Erfrischungs­getränken entsprechend Ihrer Präferenzen an. Dafür wählen Sie zunächst die Marke aus, die Sie am meisten präferieren, und weisen Sie ihr den Rangplatz 1 zu. Anschließend weisen Sie den Rangplatz 2 der zweitbesten Marke. Setzen Sie die Bewertung fort, bis Sie allen Marken einen Rangplatz zugewiesen haben. Die letzte, am wenigsten präferierte Marke muss den Rangplatz 5 bekommen.

Keine zwei Marken dürfen denselben Rangplatz erhalten.

Das Kriterium der Präferenz ist ganz Ihnen überlassen. Es gibt keine richtige oder falsche Antworten. Versuchen Sie einfach, konsistent zu sein.

MarkeRangplatz
Pepsi-Cola_________
Coca-Cola_________
Red Bull_________
Sprite_________
7-Up_________
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 34 / 274
2.2 · Komparative Skalen Praxisbeispiel

Rangordnungsverfahren: Beispiel


Was würdest du dir zum Geburtstag wünschen?
Ziehe jeden Gegenstand in den passenden Bereich — Rangplatz 1 = am meisten gewünscht.
Top-3 Wunschliste
1
Smartwatch
Smartwatch
2
Spielkonsole
Spielkonsole
3
Smartphone
Smartphone
Würde ich mir nicht wünschen
Kabellose Kopfhörer
Kabellose Kopfhörer
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 35 / 274
2.2 · Komparative Skalen Praxisbeispiel

Rangordnungsverfahren: Beispiele


Drag & DropTop-3 auswählen & ordnen
„Was ist Ihnen beim Einkauf am wichtigsten? Ordnen Sie die 3 wichtigsten Gründe."
Zur Auswahl
Öffnungszeiten
Kundenservice
Rückgaberecht
Ihre Rangordnung
1
Auswahl
2
Online-Angebot
3
Preis
Rang-MatrixRang je Zeile anklicken
„Bringen Sie die Themenbereiche in Ihre Reihenfolge (1–6)."
123456
Kommunikation & Medien2
Digitale Medientechnik6
Internet3
Büro-Peripherie4
IT-Sicherheit5
Software & Systemintegration1
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 36 / 274
2.2 · Komparative Skalen Praxisbeispiel

Rangordnungsverfahren: Beispiel


Welche Frucht mögen Sie am liebsten? — Ziehen Sie die Früchte auf die Skala.
Drag & Drop
OrangeOrange
KiwiKiwi
ApfelApfel
BananeBanane
ErdbeereErdbeere
Überhaupt nicht gernSehr gern
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 37 / 274
2.2 · Komparative Skalen Bewertung

Rangordnungsverfahren: Vor- und Nachteile


+

Vorteile

  • Direkter Vergleich
  • Realitätsnäher als paarweise Vergleiche
    • Anzahl der Vergleiche ist nur (n − 1)
    • Einfacher zu verstehen
    • Nehmen weniger Zeit in Anspruch
    • Keine nicht-transitiven Antworten
    • Daten können in paarweise Vergleiche konvertiert werden
  • Gut für Messung von Marken- und Eigenschaftspräferenzen

Nachteile

  • Aus Präferenz von A über B folgt nicht, dass der Proband A mag
  • Kein Nullpunkt — keine Trennung zwischen Mögen und Nicht-Mögen
  • Lediglich ordinale Daten
  • Verletzung der Transitivitätsannahme möglich (bei Aggregation)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 38 / 274
2.2 · Komparative Skalen Methode

Komparative Skalen: Konstantsummenverfahren


i

Konstantsummen­verfahren

Probanden verteilen einen fixierten Betrag (z. B. Punkte, Euros, Chips, %) vollständig über ein Set von Objekten — nach einem bestimmten Kriterium.

Unterstehend ist eine Liste von fünf Eigenschaften von Autos aufgeführt. Bitte verteilen Sie 100 Punkte über diese Eigenschaften so, dass die Anzahl der Punkte, die Sie einer Eigenschaft zuweisen, deren relative Wichtigkeit für Sie widerspiegelt. Je mehr Punkte eine Eigenschaft bekommt, desto wichtiger ist sie für Sie. Wenn eine Eigenschaft für Sie unwichtig ist, weisen Sie ihr 0 Punkte zu. Wenn eine Eigenschaft doppelt so wichtig ist wie eine andere, weisen Sie ihr doppelt so viele Punkte zu.

EigenschaftPunkte
Geschwindigkeit0
Komfort15
Getriebetyp (manuell/Automatik)5
Kraftstoff (Benzin/Diesel)35
Preis45
Summe100
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 39 / 274
2.2 · Komparative Skalen Durchschnittliche Bewertung in drei Segmenten

Konstantsummenverfahren: Beispiel der Auswertung


AttributSegment 1Segment 2Segment 3
Geschwindigkeit 0 17 53
Komfort 15 23 30
Getriebe (manuell/Automatik) 5 21 10
Kraftstoff (Benzin/Diesel) 35 12 7
Preis 45 27 0
Summe 100100100
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 40 / 274
2.2 · Komparative Skalen Praxisbeispiel

Konstantsummenverfahren: Beispiel


Welche Merkmale eines Mietwagens sind Ihnen am wichtigsten? Verteilen Sie 100 € darauf.
Summe: 100 / 100 €
0 €
übrig
Zurücksetzen
Vollkasko
25 €
Klimaanlage
20 €
Navigation (GPS)
15 €
Auto max. 3 Jahre alt
10 €
Teilkasko
10 €
Kraftstoffwahl (Benzin/Diesel)
5 €
CD-Player
5 €
Radio
5 €
Schiebedach
5 €
Umgebungskarte
0 €
Rückgabe-Hinweise
0 €
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 41 / 274
2.2 · Komparative Skalen Praxisbeispiel

Konstantsummenverfahren: Beispiele


SliderAuf Skala ziehen
„Welcher Anteil Ihrer Einkäufe entfällt auf …?"
Kosmetik
25 %
Damenmode
20 %
Herrenmode
15 %
Schuhe
25 %
Sonstiges
15 %
Gesamt100 / 100 %
EingabefeldWerte eintippen
„Wie verteilen Sie 100 % Ihres Monatsbudgets?"
Wohnen40
Essen25
Freizeit20
Sonstiges15
Verbleibend0
Klick-BalkenBalken anklicken
„Wie verteilt sich Ihre Internetnutzung?"
privat
63 %
beruflich
37 %
Gesamt100 %
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 42 / 274
2.2 · Komparative Skalen Bewertung

Konstantsummenverfahren: Vor- und Nachteile


+

Vorteile

  • Kann kleine Unterschiede zwischen den Objekten messen, ohne zu viel Zeit zu beanspruchen
  • Metrisch skaliert → flexible Auswahl an Analyseverfahren

Nachteile

  • Ergebnisse sind auf die Liste der beurteilten Objekte beschränkt — keine Aussagen über Objekte außerhalb der Liste
  • Relativ hohe kognitive Belastung der Probanden, insb. bei langen Listen
    • Anfällig für Rechenfehler (z. B. Verteilung von 108 oder 94 Punkten)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 43 / 274
2.2 · Komparative Skalen Methode

Komparative Skalen: Q-Sortierung


i

Q-Sortierung

Rangordnungsverfahren, bei dem Objekte (in Hinblick auf ein bestimmtes Merkmal) in Stapeln sortiert werden. Genutzt, um eine hohe Anzahl an Objekten (60–140) schnell untereinander zu vergleichen.

Die Anzahl der Objekte je Stapel ist so begrenzt, dass alle Stapel zusammen die Form einer Normalverteilung nachbilden.

Das Gesundheitsministerium hat 25 Maßnahmen zur Umsetzung in Krankenhäusern entwickelt. Ordnen Sie diese nach ihrer Wirksamkeit gegen die Infektionsausbreitung ein — bitte nur eine Maßnahme pro Box.

1
2
3
4
5
4
3
2
1
Äußerst wirksam Ganz und gar nicht wirksam
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 44 / 274
Kapitel 1 · Teil 2 Sektionsübersicht
2
Teil

Umfrage: Messung und Skalierung

2.1Einführung
2.2Komparative Skalen
2.3Nicht-komparative Skalen
2.4Latente Konstrukte
2.5Reliabilität und Validität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 45 / 274
2.3 · Nicht-komparative Skalen Fokus

Typologie von Skalierungsverfahren


Wurzel
Skalierung
Komparative Skalen
Objekte werden direkt miteinander verglichen
Paarweise Vergleiche Rangordnungsverfahren Konstantsummenverfahren Q-Sortierung & andere
Nicht-komparative Skalen
Jedes Objekt wird isoliert beurteilt
Kontinuierliche Ratingskalen
Diskrete Ratingskalen
Likert-Skala Semantisches Differential Stapel-Skala
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 46 / 274
2.3 · Nicht-komparative Skalen Definition & Varianten

Kontinuierliche Ratingskalen


i

Kontinuierliche Ratingskalen

Probanden bewerten Objekte, indem sie eine entsprechende Position auf einer Linie markieren, die von einem Extrem zum anderen eines bestimmten Kriteriums läuft.

Wie bewerten Sie „Real" als Lebensmittelgeschäft?
Version 1
Wahrscheinlich das schlechteste
Wahrscheinlich das beste
Version 2
Wahrscheinlich das schlechteste
020406080100
Wahrscheinlich das beste
Version 3
Wahrscheinlich das schlechteste
sehr schlechtteils teilssehr gut
Wahrscheinlich das beste
Version 4
Wahrscheinlich das schlechteste
sehr schlechtteils teilssehr gut
76
Wahrscheinlich das beste
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 47 / 274
2.3 · Nicht-komparative Skalen Kontinuierliche Ratingskalen · Anwendung

Perception Analyzer


Jeder Teilnehmer dreht während der Reizdarbietung — z. B. einem TV-Werbespot — ein Drehrad. So entsteht eine kontinuierliche Bewertung in Echtzeit, Sekunde für Sekunde — aggregiert über alle Teilnehmer und getrennt nach Segmenten.

Drehrad-Handgerät
Drehrad-Handgerät
Perception-Analyzer-Auswertung: Zustimmungskurven über die Spot-Dauer
Aggregierte Echtzeit-Kurven über die Spot-Dauer — getrennt nach Segmenten (0 = „Not Appealing“ … 100 = „Very Appealing“).
Teilnehmer bewerten live mit Drehrad-Handgeräten
Teilnehmer bewerten live während der Vorführung.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 48 / 274
2.3 · Nicht-komparative Skalen Diskrete Ratingskalen

Likert-Skala


i

Likert-Skala

Probanden geben an, inwieweit sie den aufgeführten Aussagen zustimmen — anhand einer 5- oder 7-Punkte-Skala, die von einem Extrem zum anderen reicht.

Im Folgenden sind unterschiedliche Aussagen über „Real" aufgelistet. Bitte geben Sie an, wie stark Sie diesen Aussagen zustimmen:

Stimme gar nicht zu Stimme nicht zu Neutral Stimme zu Stimme voll und ganz zu
Real verkauft hochwertige Waren
Real hat schlechten Service umgekehrt
Einkaufen bei Real macht mir Spaß
Real bietet eine Mischung aus verschiedenen Marken
Die Kreditpolitik in Real ist schrecklich umgekehrt
Ich mag die Werbung von Real nicht umgekehrt
Die Preise bei Real sind fair

Wichtig: Die Aussagen 2, 5 und 6 sind umgekehrt formuliert. Vor der Datenanalyse müssen diese Skalen umgekodiert werden — eine höhere Zahl soll stets eine bessere Einstellung bedeuten.

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2.3 · Nicht-komparative Skalen Likert-Skala · in Online-Umfragen

Likert-Skala: Beispiele


Format · Radio-Buttons
Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit unserem Kundenservice?
Sehr
unzufrieden
Unzufrieden
Weder noch
Zufrieden
Sehr
zufrieden
Format · Segmentierte Buttons
„Der Bestellvorgang war einfach." — Wie sehr stimmen Sie zu?
Trifft überhaupt nicht zu
Trifft eher nicht zu
Teils teils
Trifft eher zu
Trifft voll und ganz zu
Format · Nummerierte Skala
Wie wichtig ist Ihnen ein kostenloser Rückversand?
1 2 3 4 5
Überhaupt nicht wichtigSehr wichtig
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2.3 · Nicht-komparative Skalen Likert-Skala · Standard-Formulierungen

Populäre Likert-Skalen in Marketing


Konstrukt 12345
Einstellung Sehr schlechtSchlechtWeder gut, noch schlechtGutSehr gut
Wichtigkeit Überhaupt nicht wichtigUnwichtigNeutralWichtigSehr wichtig
Zufriedenheit Sehr unzufriedenUnzufriedenWeder zufrieden, noch unzufriedenZufriedenSehr zufrieden
Kaufwahrscheinlichkeit(Kaufabsicht) Definitiv nichtWahrscheinlich nichtUnentschiedenWahrscheinlich jaAuf jeden Fall ja
Kaufhäufigkeit NieSeltenManchmalOftSehr oft
Zustimmung Trifft überhaupt nicht zuTrifft eher nicht zuTeils teilsTrifft eher zuTrifft voll und ganz zu

Skalenpunkte von 1 (niedrigste Ausprägung) bis 5 (höchste Ausprägung).

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 51 / 274
2.3 · Nicht-komparative Skalen Diskrete Ratingskalen

Semantisches Differential


i

Semantisches Differential

Zweipolige Rating-Skala, deren Extreme mit jeweils gegensätzlichen Adjektiven beschrieben werden. Erlaubt die Messung mehrdimensionaler Einstellungen und deren Profildarstellung.

Wie schätzen Sie das Erscheinungsbild von „Kaufhof" ein? Bitte kreuzen Sie an, inwieweit Sie jeweils mehr zu der einen oder anderen Ausprägung tendieren.

Kaufhof ist …

Stark
Schwach
Unzuverlässig
Zuverlässig
Modern
Altmodisch
Kalt
Warm
Sorgfältig
Leichtsinnig

Hinweis: Die negativen Adjektive erscheinen mal links, mal rechts. So lässt sich nachträglich kontrollieren, ob Probanden gedankenlos immer dieselbe Seite ankreuzen, ohne die Adjektive zu lesen.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 52 / 274
2.3 · Nicht-komparative Skalen Semantisches Differential · Profil

Semantisches Differential: Profil


i

Profildarstellung

Misst Selbsteinschätzung sowie Einstellungen gegenüber Personen oder Produkten. Jeder Punkt entspricht dem Mittelwert oder Median der jeweiligen Skala — die Verbindung der Punkte ergibt das Profil.

Hoch
Stark
Zuverlässig
Kalt
Modern
Gut
Freundlich
Hässlich
Aktiv
Jung
Vorsichtig
Klein
Sanft
Robust
Bescheiden
Tief
Schwach
Unzuverlässig
Heiß
Langsam
Schlecht
Feindlich
Schön
Passiv
Alt
Sorglos
Groß
Abstoßend
Empfindlich
Angeberisch

Beispielhaftes Profil eines Objekts — sieben Stufen zwischen den gegensätzlichen Polen.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 53 / 274
2.3 · Nicht-komparative Skalen Semantisches Differential · Markenvergleich

Semantisches Differential: Beispiel


i

Profil-Vergleich

Semantische Profile der Shampoo-Marken „Herbal Magic" und „Elseve" im Vergleich zum idealen Shampoo aus Sicht der Konsumenten.

Elseve Herbal Magic Ideales Shampoo
Billig
Natürliche Inhaltsstoffe
Attraktiv
Überall verfügbar
Riecht gut
Hat Conditioner
Bekannte Marke
Für häufige Nutzung geeignet
Effekt von Glanz & Sauberkeit
Einfache Nutzung
Teuer
Keine natürlichen Inhaltsstoffe
Unattraktiv
Schwer zu bekommen
Riecht schlecht
Kein Conditioner
Unbekannte Marke
Ungeeignet
Kein Effekt
Komplizierte Nutzung
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2.3 · Nicht-komparative Skalen Diskrete Ratingskalen

Stapel-Skala


i

Stapel-Skala

Eine unipolare Ratingskala mit 10 Kategorien von −5 bis +5, ohne Neutralpunkt (0).

Sie wird oft als Alternative zum semantischen Differential verwendet, wenn sich kein sinnvolles Paar gegensätzlicher Adjektive finden lässt.

Plus-Zahl = die Phrase trifft zu, Minus-Zahl = sie trifft nicht zu. Je größer der Betrag, desto stärker.

Wie zutreffend beschreiben die folgenden Phrasen das Geschäft „Real"? Wählen Sie pro Phrase eine Zahl zwischen +5 (trifft voll zu) und −5 (trifft gar nicht zu).

+5 +4 +3 +2 +1
Hohe Qualität
-1 -2 -3 -4 -5
+5 +4 +3 +2 +1
Schlechter Service
-1 -2 -3 -4 -5
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2.3 · Nicht-komparative Skalen Überblick

Wichtigste nicht-komparative Skalen


Skala Beschreibung Beispiele Vorteile Nachteile
Kontinuierliche Ratingskalen Markierung auf einer kontinuierlichen Linie Reaktion auf TV-Werbespots Einfach zu bilden Manuelle (nicht PC-gestützte) Auswertung kann sehr mühsam sein
Likert-Skaladiskret Grad der Zustimmung auf einer Skala von 1 (stimme ganz und gar nicht zu) bis 5 (stimme vollkommen zu) Messung von Einstellungen Einfach zu verstehen, zu verwenden und zu bilden Zeitaufwendiger
Semantisches Differentialdiskret Zweipolige, siebenstufige Ratingskala mit entgegengesetzten Adjektiven an den Polen Marken-, Produkt- und Firmenimage Vielseitig Keine Aussage darüber, ob die Daten intervallskaliert sind
Stapel-Skaladiskret Unipolare Zehn-Punkte-Skala von −5 bis +5 ohne Neutralpunkt (0) Messung von Einstellungen und Image Einfach zu konstruieren und in Telefon-Umfragen einzusetzen Manchmal verwirrend und schwierig anzuwenden
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2.3 · Nicht-komparative Skalen Fünf Gestaltungsfragen

Konstruktion von diskreten Ratingskalen


1
Anzahl von Antwortkategorien
Es gibt keine einzig optimale Anzahl — traditionell werden Skalen mit fünf bis neun Kategorien verwendet.
2
Balanciert vs. nicht-balanciert
Generell sollte die Skala balanciert sein, um objektive Ergebnisse erzielen zu können.
3
Gerade vs. ungerade Anzahl
Wenn eine neutrale bzw. indifferente Antwort für manche Probanden in Frage kommt, sollte man eine ungerade Anzahl von Kategorien wählen.
4
Obligatorische vs. nicht-obligatorische Antwort
Können einige Probanden keine Meinung haben, verbessern nicht-obligatorische Fragen die Genauigkeit der Ergebnisse.
5
Beschriftung der Skalenpunkte
Nicht jeder Punkt muss beschriftet werden — entscheidend ist, Ambivalenz zu vermeiden und beide Pole (bei ungerader Anzahl auch die Mitte) eindeutig zu benennen.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 57 / 274
2.3 · Konstruktion von Ratingskalen Gestaltungsfrage 1

Anzahl von Antwortkategorien


1
Anzahl von Antwortkategorien
Es gibt keine einzig optimale Anzahl — traditionell werden Skalen mit fünf bis neun Antwortkategorien verwendet.

Mehr Kategorien erfassen feinere Unterschiede — aber die meisten Probanden kommen nur mit wenigen Kategorien zurecht.

Involvement & Wissen

mehrwenn Probanden an der Bewertung interessiert sind oder über tiefes Wissen zum Objekt verfügen.

Natur der Objekte

mehrwenn feine Unterschiede für die Objekte charakteristisch sind.

Modus der Datenerhebung

wenigerbei Telefoninterviews, wo Skalen schwerer zu überblicken sind.

Datenanalyse

wenigerfür Aggregation & Gruppenvergleiche · mehrfür anspruchsvolle, korrelationsbasierte Statistik.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 58 / 274
2.3 · Konstruktion von Ratingskalen Gestaltungsfrage 2

Balancierte oder nicht-balancierte Skalen


2
Balanciert vs. nicht-balanciert
Generell sollte die Skala balanciert sein, um objektive Ergebnisse erzielen zu können.
Balancierte Skala
Sehr gut
Gut
Weder gut noch schlecht
Schlecht
Sehr schlecht
2 positiv · 1 neutral · 2 negativ — symmetrisch.
Nicht-balancierte Skala
Extrem gut
Sehr gut
Gut
Angemessen
Schlecht
Sehr schlecht
4 positiv · 2 negativ — verzerrt zu positiven Urteilen.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 59 / 274
2.3 · Konstruktion von Ratingskalen Gestaltungsfrage 3

Gerade oder ungerade Anzahl von Antwortkategorien


3
Gerade vs. ungerade Anzahl
Wenn eine neutrale bzw. indifferente Antwort für manche Probanden in Frage kommt, sollte man eine ungerade Anzahl von Kategorien wählen.

Ungerade Anzahl — mit Mitte

Stimme gar nicht zu
Stimme nicht zu
Neutral
Stimme zu
Stimme voll zu
Erlaubt eine neutrale Antwort

Gerade Anzahl — ohne Mitte

Stimme gar nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll zu
Erzwingt eine Tendenz

Die mittlere Option zieht viele Unsichere an — und solche, die ihre Meinung nur ungern offenbaren.

Das kann die Maße der zentralen Tendenz und der Varianz verzerren.

Wollen bzw. brauchen wir „Kontrast" bei kontroversen Einstellungen?

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 60 / 274
2.3 · Konstruktion von Ratingskalen Gestaltungsfrage 4

Obligatorische oder nicht-obligatorische Antwort?


4
Obligatorische vs. nicht-obligatorische Antwort
Wenn einige Probanden keine Meinung haben können, verbessern nicht-obligatorische Fragen die Genauigkeit der Ergebnisse.

Wollen die Probanden nicht antworten — oder haben sie schlicht keine Meinung?

„Weiß nicht" / „Nicht zutreffend"

Bei sachlichen Fragen und Wissensabfragen einsetzen.
Nicht bei der Messung von Einstellungen und Meinungen.

Filterführung

Gezielt steuern, dass Probanden nur Fragen erhalten, die sie auch beantworten können — statt Antworten zu erzwingen.

Faustregel: Fragen ohne „weiß nicht" liefern tendenziell mehr genaue Daten — aber nur, wenn die Probanden tatsächlich eine Meinung haben.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 61 / 274
2.3 · Konstruktion von Ratingskalen Gestaltungsfrage 5

Beschriftung der Skalenpunkte


5
Beschriftung der Skalenpunkte
Nicht jeder Punkt muss beschriftet werden — entscheidend ist, Ambivalenz zu vermeiden und beide Pole (bei ungerader Anzahl auch die Mitte) eindeutig zu benennen.

Soll jeder Skalenpunkt beschriftet werden — oder reichen einige ausgewählte Punkte?

Alle oder nur einige?

Keine eindeutige Evidenz, dass die Beschriftung aller Punkte besser ist als nur ausgewählter — die Forschung zeigt keinen wesentlichen Unterschied.

Zu viel verwirrt

Zu viele, zu fein differenzierte Labels können Befragte verwirren, wenn sich Begriffe kaum abgrenzen lassen (z. B. „eher positiv" vs. „ziemlich positiv").

Entscheidend: Eindeutigkeit

Ambivalenz vermeiden. Beide Pole klar benennen, bei ungerader Anzahl auch die Mitte — es muss klar sein, welches Kontinuum die Skala abbildet.

Wenig Platz

Reduzierte Beschriftung besonders sinnvoll bei Schiebereglern oder Matrix-Fragen, wo volle Beschriftung schnell unübersichtlich wird.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 62 / 274
2.3 · Konstruktion von Ratingskalen Beschriftung der Skalenpunkte · Varianten

Wie viel beschriften? — Vier Varianten


Dieselbe Frage: „Wie wahrscheinlich kaufen Sie Produkt A erneut?"

Alle Punkte beschriftet
maximale Führung
Sehr unwahrscheinlich
Eher unwahrscheinlich
Weder noch
Eher wahrscheinlich
Sehr wahrscheinlich
Nur Zahlen
minimale Beschriftung
1
2
3
4
5
Nur Pole beschriftet
Endpunkte benannt
Sehr unwahrscheinlich
Sehr wahrscheinlich
Pole + Zahlen
Endpunkte benannt, Stufen nummeriert
1Sehr unwahrscheinlich
2
3
4
5Sehr wahrscheinlich
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 63 / 274
2.3 · Konstruktion von Ratingskalen Formulierung der Skalenpole

Spitze vs. flache Antwortverteilung


Wie extrem die Endpunkte sprachlich formuliert sind, prägt die Form der Antwortverteilung.

Extreme Pole → spitze Verteilung
äußerst zufriedenüberhaupt nicht zufrieden

Befragte meiden die Extreme — die Antworten bündeln sich in der Mitte.

Moderate Pole → flache Verteilung
zufriedenunzufrieden

Befragte nutzen auch die Endpunkte — die Antworten verteilen sich differenzierter.

Klare Meinungsdifferenzen sichtbar machen, eindeutige Stellungnahmen provozieren → Moderate Pole (flachere Verteilung)
Extreme Meinungen abgrenzen, nur starke Positionen sichtbar machen → Extreme Pole (spitzere Verteilung)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 64 / 274
Kapitel 1 · Teil 2 Sektionsübersicht
2
Teil

Umfrage: Messung und Skalierung

2.1Einführung
2.2Komparative Skalen
2.3Nicht-komparative Skalen
2.4Latente Konstrukte
2.5Reliabilität und Validität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 65 / 274
2.4 · Latente Konstrukte Multi-Item-Skalen

Latente Konstrukte und Multi-Item-Skalen


i

Latentes Konstrukt

Ein Sachverhalt (z. B. Kundenzufriedenheit), der nicht direkt beobachtbar bzw. messbar ist.

Das heißt nicht, dass er nicht „existiert" — sondern nur, dass er aus anderen, messbaren Sachverhalten (Indikatoren) erschlossen werden kann.

Beispiel · so wird „Zufriedenheit" abgefragt
zufriedenunzufrieden
erfreutverärgert
vorteilhaftnachteilig
angenehmunangenehm
Ich mochte es sehr… überhaupt nicht
befriedigtfrustriert
hinreißendschrecklich
7 Items · Cronbachs α = 0,84
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 66 / 274
2.4 · Latente Konstrukte Konstrukt → Dimensionen → Faktoren → Items → Skala

Latente Konstrukte: Hierarchie der Messung


QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 67 / 274
2.4 · Latente Konstrukte Vorteile & Beispiele

Multi-Item-Skalen: Vorteile


+

Vorteile

  • Möglichkeit zur Beurteilung abstrakter Konzepte
  • Verschiedene Facetten des Konstruktes können erfasst werden
  • Reduktion der Datendimensionalität durch Aggregation vieler beobachtbarer Sachverhalte zu einem Modell
Beispiele für latente Konstrukte
Zufriedenheit Loyalität Vertrauen Service-Qualität Kaufabsicht Brand Image Involvement Preiswahrnehmung Benutzerfreundlichkeit
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 68 / 274
2.4 · Latente Konstrukte Skala selbst entwickeln — oder übernehmen?

Multi-Item-Skalen: baue oder klaue


Baue
Eine eigene Skala entwickeln
iterativ
Theorieentwicklung
Generierung des anfänglichen Item-Pools
Theorie · Sekundärdaten · qualitative Analyse
Wahl des reduzierten Item-Sets (qualitative Urteile)
Datenerhebung — große Stichprobe
Statistische Analyse
Entwicklung einer bereinigten Skala
Datenerhebung — andere Stichprobe
Beurteilung: Reliabilität, Validität & Generalisierbarkeit
Ableitung der finalen Skala
Klaue
Fertige, validierte Skalen übernehmen

Wo findet man fertige Skalen?

Bruner (2012): „Marketing Scales Handbook", Vol. 6 — eine Sammlung validierter Multi-Item-Maße.
marketingscales.com/research
Sowie führende Fachzeitschriften
JAMS JA JCR JM JMR JR
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 69 / 274
2.4 · Latente Konstrukte Anwendung · Kundenloyalität & -bindung

Secure Customer Index


Der Secure Customer Index fasst drei Loyalitäts-Indikatoren zu einer Kennzahl zusammen. Als Secure Customer gilt nur, wer auf allen drei Dimensionen die Top-Stufe (5) wählt — die Schnittmenge. Die Segmente geben jeweils den Anteil (%) der Kunden an.

Zufriedenheit im Allgemeinen
5 — sehr zufrieden
4 — eher zufrieden
3 — weder zufrieden noch unzufrieden
2 — eher unzufrieden
1 — sehr unzufrieden
Bereitschaft zur Weiterempfehlung
5 — werde ganz sicher weiterempfehlen
4 — werde wahrscheinlich weiterempfehlen
3 — unentschieden
2 — werde wahrscheinlich nicht weiterempfehlen
1 — werde ganz sicher nicht weiterempfehlen
Wahrscheinlichkeit der Wiederverwendung
5 — werde ganz sicher weiterverwenden
4 — werde wahrscheinlich wiederverwenden
3 — unentschieden
2 — werde wahrscheinlich nicht wiederverwenden
1 — werde ganz sicher nicht wiederverwenden
Secure Customers
Anteil, der sehr zufrieden ist / ganz sicher wiederverwenden / ganz sicher weiterempfehlen wird.
Günstige Einstellung
Anteil mit mind. der zweitbesten Stufe auf allen drei Dimensionen der Zufriedenheit und Loyalität.
Verletzte Konsumenten
Anteil: eher zufrieden · unentschieden · unentschieden.
Gefährdete Konsumenten
Anteil: eher/nicht zufrieden · wahrscheinlich oder sicher nicht wiederverwenden/weiterempfehlen.
Venn-Diagramm: Secure Customer als Schnittmenge dreier Top-Bewertungen Sehr zufrieden Werde definitiv wieder nutzen Werde definitiv weiterempfehlen Secure Customer

Quelle: D. Randall Brandt (1996), „Secure Customer Index", Maritz Research

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 70 / 274
2.4 · Latente Konstrukte Anwendung · Loyalität über zwei Perioden

Erweiterter Secure Customer Index von Burke Inc.


Burke erweitert den Secure Customer Index um zwei zusätzliche Loyalitäts-Dimensionen (insgesamt fünf) und verknüpft den in Periode 1 gemessenen Loyalitätsindex mit dem tatsächlichen Share of Wallet in Periode 2 — also dem Anteil der Ausgaben, den der Kunde der Marke widmet.

Periode 1
Loyalitäts­index
Periode 2
Share of Wallet
(0 % – 100 %)
Fünf Dimensionen — jeweils erhoben über folgende Frage
Zufriedenheit im Allgemeinen„Wie zufrieden sind Sie mit (MARKE/UNT.) im Allgemeinen?"
Bereitschaft zur Weiterempfehlung„Wenn man Sie bitten würde, ein Unternehmen aus (BRANCHE) zu empfehlen, wie wahrscheinlich ist es, dass Sie (MARKE/UNT.) empfehlen werden?"
Wahrscheinlichkeit des Wiederverkaufs„Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie (MARKE/UNT.) weiterverwenden werden?"
Verdiente Loyalität„(MARKE/UNT.) hat meine Loyalität verdient."
Bevorzugtes Unternehmen„Ich ziehe (MARKE/UNT.) allen anderen Anbietern vor."
Secure Customer Index — fünf Dimensionen: Preferred Company, Earned Loyalty, Likelihood to Recommend, Likelihood to Repurchase, Overall Satisfaction Quelle: Burke Inc. · http://www.burke.com/
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 71 / 274
Kapitel 1 · Teil 2 Sektionsübersicht
2
Teil

Umfrage: Messung und Skalierung

2.1Einführung
2.2Komparative Skalen
2.3Nicht-komparative Skalen
2.4Latente Konstrukte
2.5Reliabilität und Validität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 72 / 274
2.5 · Reliabilität und Validität Grundmodell der Messung

Das True-Score-Modell


Das Ergebnis der Messung ist nicht der wahre Wert einer Charakteristik, sondern nur eine Beobachtung davon.Messschieber

XObeobachtet = XTwahr + XSsystemat. + XRzufällig
XObeobachteter Wert einer Charakteristik
XTder wahre Wert der Charakteristik
XSsystematischer Fehler
XRZufallsfehler
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 73 / 274
2.5 · Reliabilität und Validität Zwei Gütekriterien der Messung

Reliabilität und Validität


Reliabilität
Zuverlässigkeit

Gibt an, wie zuverlässig ein Messinstrument misst — d. h. wie konsistent die Ergebnisse bei wiederholten Messungen sind.

Kein Zufallsfehler: XR 0 XO XT + XS

Maßzahl ist Cronbachs Alpha (0 ≤ α ≤ 1)

Werte von α ≥ 0,7 gelten als akzeptabel

XO = XT + XS + XR
Validität
Gültigkeit

Gibt an, inwieweit ein Messinstrument auch tatsächlich den Sachverhalt misst, den es messen soll.

Also: inwiefern gemessene Unterschiede tatsächlichen Unterschieden zwischen den Objekten entsprechen (Güte der Messung).

Kein Messfehler: XS 0, XR 0 XO XT

XO = XT + XS + XR
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 74 / 274
2.5 · Reliabilität und Validität Zusammenhang

Zusammenhang zwischen Reliabilität und Validität


Treffer eng gruppiert, aber außerhalb des Zentrums
Reliabel
aber nicht valide
Treffer locker um das Zentrum gestreut
Geringe Reliabilität
geringe Validität
Treffer weit gestreut und außerhalb des Zentrums
Nicht reliabel
nicht valide
Treffer eng gruppiert im Zentrum
Reliabel und valide
das Ziel
Validität impliziert Reliabilität.XO = XT XS = 0, XR = 0
Nicht-Reliabilität impliziert Nicht-Validität.XR ≠ 0 XO = XT + XR ≠ XT
Aus Reliabilität folgt nicht Validität.XR = 0, XS ≠ 0 XO = XT + XS ≠ XT
Reliabilität ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung der Validität.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 75 / 274
2.5 · Reliabilität und Validität Warum beides zählt

Der Zweck einer Skala ist es, uns zu ermöglichen, die Probanden mit der höchsten Genauigkeit und Reliabilität abzubilden. Wir können nicht das Eine ohne das Andere haben und dabei unseren Daten vertrauen.

Bart Gamble Vice President Client Services
Burke, Inc. (2000–2003)
Bart Gamble
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 76 / 274
2.5 · Reliabilität und Validität Anwendung · Eine einzige Frage

Net Promoter Score® — Prädiktor des Unternehmenswachstums?


Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Unternehmen/Marke/Produkt X einem Freund, Verwandten oder Kollegen weiterempfehlen werden?"

0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Kritiker
Passive
Promotoren
Net Promoter Score = % Promotoren % Kritiker NPS−100 % … +100 %
5–10 %
Durchschnittliche Unternehmen
45 %
Unternehmen mit offenem Wachstumspotential
50–80 %
Marktführer mit hohem Wachstumspotential

Quelle: Reichheld, Fred (2003) „One Number You Need to Grow", Harvard Business Review

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 77 / 274
2.5 · Reliabilität und Validität Net Promoter Score · Warnung

Net Promoter Score®: Warnung


Obwohl die „Weiterempfehlungs-Frage“ bei weitem die beste Einzelfrage für die Vorhersage von Konsumentenverhalten für eine Reihe von Branchen ist — sie ist nicht die beste Frage für alle Branchen. Deshalb müssen Unternehmen ihre Hausaufgaben machen und die Verbindung zwischen der Antwort und dem darauffolgenden Konsumentenverhalten für ihr Geschäftsfeld empirisch überprüfen.

Fred Reichheld, 2011 Quelle: Reichheld, F. & Markey, R. (2011). The Ultimate Question 2.0. Harvard Business Review Press, S. 50–51.
Fred Reichheld
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 78 / 274
Kapitel 3 Sektionsübersicht
3
Kapitel

Fragebogen

3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 79 / 274
Kapitel 3 · Fragebogen Definition & Ziele

Fragebogen


Fragebogen

Ein Fragebogen ist eine formalisierte Liste von Fragen, die dazu dient, Informationen von Befragten zu erheben.

1Informationsbedarf in ein Set eindeutiger Fragen „übersetzen", die Probanden beantworten können und wollen
2Probanden motivieren, an der Umfrage teilzunehmen und sie abzuschließen
3Antwortfehler minimieren
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 80 / 274
3.1 · Fragen stellen Zwei Gegensatzpaare

Fragetechniken und Befragungstaktik


FormGeschlossene
vs. Offene
Fragen
  • Geschlossen: Auswahl aus vorgegebenen Antwortalternativen.
    + einfach zu analysieren, kein kognitiver Stress
    automatische, nicht durchdachte Antworten
  • Offen: Antwortalternativen nicht vorgegeben.
    + unbegrenzte Möglichkeiten, beansprucht das Gedächtnis
    komplexe Codierung, Verweigerung möglich
Analysegeschlossen → leicht auswertbar · offen → reichhaltig, aber aufwendig
AnsatzDirekte
vs. Indirekte
Fragen
  • Direkt: die Frage zielt unmittelbar auf den interessierenden Sachverhalt.
  • Indirekt: der Sachverhalt wird über eine Umweg-Formulierung erschlossen — schont sensible oder schwer artikulierbare Themen.
Beispieledirekt: „Trinken Sie täglich Alkohol?"
indirekt: „Welche Getränke bevorzugen Sie zu Mahlzeiten?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 81 / 274
3.1 · Fragen stellen Ein klassisches Experiment

Einfluss der Formulierung auf die Antwort


Frage A
„Darf man beim Beten rauchen?"
→ Antwort: Nein
Frage B
„Darf man beim Rauchen beten?"
→ Antwort: Ja

Gleiche Handlung, andere Formulierung — gegensätzliche Antworten.
Quelle: Noelle-Neumann & Petersen (1998), S. 192 · n = 2100, p < 0,05

Anteil der Antworten (%)
Ja
57
51
Nein
25
30
Unsicher
18
19
„Glauben Sie überhaupt an die große Liebe?"
„Glauben Sie an die große Liebe?"
n = 2100, p < 0,05
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 82 / 274
3.1 · Fragen stellen Leitfragen

Was soll man bei der Entwicklung eines Fragebogens berücksichtigen?


1
Ist die Frage notwendig?
2
Mehrere Fragen statt einer?
3
Hat der Proband die Information?
4
Kann der Proband sich erinnern?
5
Aufwand seitens des Probanden
6
Sensibilität der Frage
7
Ziele der Abfragen erklären
8
Kulturelle Aspekte
9
Einfach auszufüllen?
10
Vollständig & umfassend?
11
Einfluss der Formulierung
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 83 / 274
Kapitel 3 Sektionsübersicht
3
Kapitel

Fragebogen

3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 84 / 274
3.1 · Fragen stellen Acht Stolperfallen

Fragen stellen


Interviewerin mit Mikrofon

„Nicht jede Frage verdient eine Antwort."

Publius Syrus · Rom, 1. Jh. v. Chr.

Vermeiden Sie …
Mehrdeutigkeit & Unklarheit
Fachsprache, Slang, Abkürzungen
Doppelläufige Fragen
Führende Fragen
Implizite Annahmen
Implizite Alternativen
Hypothesen als Beweis behandeln
Verallgemeinerungen & Schätzungen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 85 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 1 · Mehrdeutigkeit, Verwirrung, Unklarheit

Mehrdeutigkeit, Verwirrung und Unklarheit vermeiden


i

Die sechs W's

Formulieren Sie die Frage in Bezug auf wer, was, wann, wo, warum und wie. Besonders wichtig: wer, was, wann, wo.

Wegweiser mit Who, What, Where, When, Why, How
Beispiel
„Welche Marke von Shampoo nutzen Sie?"
Fragen Sie stattdessen
„Welche Marke oder Marken von Shampoo haben Sie persönlich zu Hause während des letzten Monats genutzt? Falls Sie mehr als eine genutzt haben, nennen Sie bitte alle."
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 86 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 1 · Analyse

„Welche Marke von Shampoo nutzen Sie?" — was ist unklar?


WAspektWarum unklar?
WerBezugspersonNicht klar, ob nur der Proband selbst oder sein gesamter Haushalt gemeint ist.
WasBezugsobjektNicht klar, wie zu antworten ist, falls mehrere Marken genutzt werden.
WannBezugszeitraumKein Bezugszeitraum angegeben — heute Morgen, diese Woche oder das ganze Jahr?
WoSituation / OrtZu Hause, im Fitness-Studio, im Urlaub, auf Geschäftsreise?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 87 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 1 · Vollständige Alternativen

Antwortalternativen vollständig & eindeutig machen


Für Eindeutigkeit statt Mehrdeutigkeit: alle realistischen Situationen mitdenken und passende Antwortalternativen vorbereiten — inkl. „trifft nicht zu" und Filterführung.

Beispiel
„Welchen Computertyp besitzen Sie?"
WindowsMac OS
Besser
„Welche Computer besitzen Sie?"
keinenWindowsMac OSAnderes
Beispiel
„Sind Sie zufrieden mit Ihrer jetzigen Kfz-Versicherung?"
JaNein
Noch besser · Filterführung
1. „Haben Sie eine Kfz-Versicherung?" (wenn nein → Frage 3)
2. „Sind Sie zufrieden mit Ihrer jetzigen Kfz-Versicherung?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 88 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 1 · Eindeutige Skalen

Skalen und Antwortalternativen müssen eindeutig sein


i

Vage Häufigkeiten

Wörter wie „selten", „manchmal" oder „oft" bedeuten für jeden Probanden etwas anderes. Nutzen Sie konkrete, abgegrenzte Häufigkeitsangaben.

Beispiel
„Wie oft kaufen Sie in einem typischen Monat in einem Supermarkt ein?"
NiemalsSeltenManchmalOftRegulär
Fragen Sie stattdessen
„Wie oft kaufen Sie in einem typischen Monat in einem Supermarkt ein?"
weniger als 1 Mal1–2 Mal3–4 Malöfter als 4 Mal
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 89 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 2 · Einfache Sprache

Fachsprache, Slang und Abkürzungen vermeiden


i

Einfache Wörter

Verwenden Sie einfache, alltägliche Wörter — keine Fachbegriffe, kein Jargon. Jeder Proband muss die Frage sofort verstehen.

Slang und Abkürzungen: WTF, FYI, LOL, ASAP …
Beispiel
„Glauben Sie, dass die Distribution der Erfrischungsgetränke adäquat ist?"
Fragen Sie stattdessen
„Sind Erfrischungsgetränke einfach zu finden, wann immer Sie sie kaufen möchten?"
Auch unklar
„Geben Sie Ihr bereinigtes Nettoeinkommen im vergangenen Jahr an."
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 90 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 3 · Ein Aspekt pro Frage

Doppelläufige Fragen vermeiden


i

Ein Aspekt pro Frage

Jede Frage soll sich auf nur einen Aspekt konzentrieren. Sonst weiß man nicht, worauf sich die Antwort bezieht.

Eine Straße, die sich in zwei Wege gabelt — eine Frage, zwei Aspekte
Beispiel
„Ist Ihrer Meinung nach Coca-Cola lecker und erfrischend?"
Fragen Sie stattdessen
1. „Ist Ihrer Meinung nach Coca-Cola lecker?"
2. „Ist Ihrer Meinung nach Coca-Cola erfrischend?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 91 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 4 · Keine Suggestion

Führende Fragen vermeiden


i

Keine Suggestion

Wenn Sie eine bestimmte Antwort wollen, brauchen Sie die Frage nicht zu stellen. Führende Formulierungen lenken den Probanden.

Frage-Verkehrsschild
Beispiel
Helfen Sie der Umwelt, indem Sie Einkaufstaschen aus Stoff nutzen?"
Fragen Sie stattdessen
„Nutzen Sie Einkaufstaschen aus Stoff?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 92 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 5 · Konsequenzen benennen

Implizite Annahmen vermeiden


i

Konsequenzen benennen

Die Antwort soll nicht von stillschweigenden Annahmen über die Konsequenzen abhängen. Machen Sie sie explizit.

Eisberg — die unausgesprochene Annahme unter der Oberfläche
Beispiel
„Denken Sie, dass der Milchpreis gesenkt werden soll?"
Fragen Sie stattdessen
„Denken Sie, dass der Milchpreis gesenkt werden soll, auch wenn dadurch die Milchqualität schlechter wird?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 93 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 6 · Alternativen nennen

Implizite Alternativen vermeiden


i

Alternativen nennen

Implizite Alternativen sind Antwortmöglichkeiten, die nicht explizit genannt wurden. Machen Sie die Gegenoption sichtbar.

Zwei Würfel — die unausgesprochene Alternative
Beispiel
„Nehmen Sie gern den Zug für kurze Städtereisen?"
Fragen Sie stattdessen
„Nehmen Sie gern den Zug für kurze Städtereisen, oder fahren Sie lieber Auto?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 94 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 7 · Fakten statt Meinungen

Hypothetische Aussagen nicht als Beweis behandeln


i

Fakten statt Meinungen

Meinungen und Überzeugungen stellen die realen Fakten oft nur verzerrt dar. Fragen Sie nach beiden Fakten getrennt.

Unmögliche Figuren — Meinungen stellen die Fakten verzerrt dar
Beispiel
„Glauben Sie, dass höher gebildete Menschen tendenziell öfter Pelzkleidung tragen?"
Fragen Sie stattdessen
1. „Was ist Ihr Bildungsstand?"
2. „Tragen Sie Pelzkleidung?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 95 / 274
3.1 · Fragen stellen Regel 8 · Konkret fragen

Verallgemeinerungen und Schätzungen vermeiden


i

Kein Kopfrechnen

Zwingen Sie den Probanden nicht, sein Gedächtnis und seine mathematischen Fähigkeiten anzustrengen. Fragen Sie die Bausteine ab.

Glas voller Bonbons und ein Taschenrechner — Schätzen großer Zahlen ist unmöglich
Beispiel
„Wie hoch sind die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Lebensmittel in Ihrem Haushalt?"
Fragen Sie stattdessen
1. „Wie viel Geld wird in Ihrem Haushalt monatlich für Lebensmittel ausgegeben?"
2. „Wie viele Mitglieder hat Ihr Haushalt?"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 96 / 274
Kapitel 3 Sektionsübersicht
3
Kapitel

Fragebogen

3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 97 / 274
3.2 · Mangelnde Antwortfähigkeit Drei Hürden

Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit


1
Informierte Person mit Info-Symbol
Ist der Proband informiert?
Hat er die nötige Information überhaupt?
2Nachdenkende Person mit Erinnerungs-Symbol
Kann der Proband sich erinnern?
Ist die Information abrufbar?
3Sprechende Person mit Sprechblase
Kann der Proband artikulieren?
Kann er die Antwort formulieren?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 98 / 274
3.2 · Mangelnde Antwortfähigkeit Hürde 1 · Information

Ist der Proband informiert?


Probanden beantworten Fragen oft, auch wenn sie nicht informiert sind.

Klassisches Experiment: Auf eine Frage zur fiktiven „Zentrale für Verbraucherbeschwerden" antworteten 51,9 % der Anwälte und 75 % der Bevölkerung — obwohl es eine solche Zentrale gar nicht gibt.
Person antwortet, obwohl sie es nicht weiß
Gegenmittel 1 · Filter-Fragen
Vorab nach Kenntnis bzw. Einkaufshäufigkeit fragen — z. B. in einer Studie zu 10 Einkaufsläden.
Gegenmittel 2 · „Weiß nicht"
Eine „Weiß nicht"-Antwortalternative anbieten, statt Antworten zu erzwingen.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 99 / 274
3.2 · Mangelnde Antwortfähigkeit Hürde 2 · Erinnerung

Kann der Proband sich erinnern?


i

Erinnerungsfehler

Mangelnde Erinnerung führt zu Weglassen, Telescoping und Schaffung. Fragen Sie nach typischem Verhalten, nicht nach exakten Zählungen.

Nachdenkende Person
Gestützte Erinnerung: „Welche der folgenden Marken wurden gestern beworben?" (mit Liste) statt „An welche Werbespots erinnern Sie sich?"
Beispiel
„Wie viele Flaschen Erfrischungsgetränke haben Sie in den vergangenen vier Wochen verbraucht?"
Fragen Sie stattdessen
„Wie oft trinken Sie Erfrischungsgetränke in einer durchschnittlichen Woche?"
weniger als 1×1–3× pro Woche4–6× pro Woche7× oder öfter
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 100 / 274
3.2 · Mangelnde Antwortfähigkeit Hürde 3 · Artikulation

Kann der Proband artikulieren?


i

Hilfsmittel anbieten

Wer seine Antwort nicht formulieren kann, überspringt die Frage oder bricht ab. Bieten Sie Bilder, Schemata oder Beschreibungen zur Auswahl an.

Sprechende Person mit Sprechblase
Problem
Bei der Bitte, die Atmosphäre eines Kaufhauses zu beschreiben, haben viele Probanden Schwierigkeiten, ihre Antwort zu formulieren.
Lösung
Legt man Probanden alternative Beschreibungen der Atmosphäre vor, können sie diejenige auswählen, die ihnen am meisten gefällt.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 101 / 274
Kapitel 3 Sektionsübersicht
3
Kapitel

Fragebogen

3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 102 / 274
3.3 · Mangelnde Antwortbereitschaft Probleme & Gegenmittel

Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft


Die meisten Probanden mögen es nicht …
viel Zeit und Mühe in die Beantwortung investieren
Fragen beantworten, die im Kontext unangemessen erscheinen
Informationen preisgeben, die ihnen nicht zweckdienlich erscheinen
sensible Informationen offenlegen
Drei Gegenmittel
1
Kontext verdeutlichen
2
Zweck erklären
3
Aufwand reduzieren
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 103 / 274
3.3 · Mangelnde Antwortbereitschaft Gegenmittel · Aufwand reduzieren

Aufwand reduzieren


i

Aufwand reduzieren

Minimieren Sie den für die Beantwortung erforderlichen Aufwand. Statt frei zu erinnern, lassen Sie aus einer fertigen Liste auswählen.

Beispiel
„Bitte nennen Sie alle Abteilungen, bei denen Sie während Ihres letzten Besuchs im Kaufhaus eingekauft haben."
Fragen Sie stattdessen
„Bitte kreuzen Sie alle Abteilungen an, bei denen Sie zuletzt eingekauft haben:"
DamenbekleidungHerrenbekleidungKinderbekleidungKosmetik …Andere (bitte angeben) ______
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 104 / 274
3.3 · Mangelnde Antwortbereitschaft Gegenmittel · Kontext verdeutlichen

Kontext verdeutlichen


i

Kontext geben

Manche Fragen erscheinen im falschen Kontext unangemessen. Führen Sie sie mit einem erklärenden Statement ein.

Fragen zu Hygienegewohnheiten wirken in einer medizinischen Umfrage normal — in einer Umfrage über Fast-Food-Restaurants dagegen unpassend.
Einleitendes Statement
„Als Fast-Food-Restaurant sind wir bemüht, unseren Kunden eine saubere und hygienische Umgebung zu bieten. Deshalb möchten wir Ihnen nun einige Fragen zu Ihren Hygienegewohnheiten stellen."
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 105 / 274
3.3 · Mangelnde Antwortbereitschaft Gegenmittel · Zweck erklären

Zweck erklären


i

Zweck legitimieren

Erklären Sie, warum die Informationen benötigt werden — sonst wirken sie aufdringlich.

Warum interessiert sich ein Cerealien-Hersteller für Alter, Einkommen und Beruf der Probanden?
Informationsanfrage legitimieren
„Um zu verstehen, wie sich der Konsum von Frühstückscerealien zwischen Personen mit verschiedenem Alter, Einkommen und Beruf unterscheidet, benötigen wir von Ihnen noch folgende Informationen …"
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 106 / 274
Kapitel 3 Sektionsübersicht
3
Kapitel

Fragebogen

3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 107 / 274
3.4 · Erhöhung der Antwortbereitschaft Umgang mit sensiblen Themen

Sensible Themen behandeln


1
Sensible Themen ans Ende des Fragebogens stellen
2
Mit dem Statement einleiten, dass das Verhalten nur im Allgemeinen von Interesse ist
3
Fragen in der dritten Person formulieren (als ob sie andere Menschen betreffen)
4
Die Frage in einer Gruppe anderer Fragen verstecken
5
Antwortalternativen vorgeben, statt konkrete Angaben oder Zahlen abzufragen
Sensible Themen
💰 Geld Privat- & Familienleben Politische & religiöse Ansichten Unfälle & Straftaten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 108 / 274
Kapitel 3 Sektionsübersicht
3
Kapitel

Fragebogen

3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 109 / 274
3.5 · Reihenfolge von Fragen Drei Prinzipien

Reihenfolge von Fragen


1
Eröffnungsfragen
Sollten interessant, einfach und nicht abschreckend sein — sie entscheiden über die weitere Teilnahme.
2
Informationstyp
Faustregel: zuerst die forschungsrelevanten, dann die Klassifikations- und zuletzt die Identifikationsinformationen abfragen.
3
Schwierige Fragen
Sensible, peinliche, komplizierte oder mühsame Fragen möglichst weit hinten platzieren.
Sushi-Stücke in fester Reihenfolge auf Stäbchen — Reihenfolge zählt
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 110 / 274
3.5 · Reihenfolge von Fragen Ausstrahlungseffekte

Trichterung und Verzweigungslogik


Trichter
Trichterung (Funneling)
Allgemeines vor Konkretem
1Allgemein zuerst
„Welche Aspekte spielen für Sie bei der Auswahl eines Kaufhauses eine wichtige Rolle?"
2Dann konkret
„Wie wichtig ist Ihnen die Bequemlichkeit der Lage bei der Auswahl eines Kaufhauses?"
Verzweigungslogik
Logische Anordnung

Die Frage, zu der verzweigt wird, möglichst nah an der auslösenden Frage platzieren.

Verzweigungen so anordnen, dass Probanden nicht vorhersehen können, welche Zusatzinfos abgefragt werden.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 111 / 274
3.5 · Reihenfolge von Fragen Beispiel · Verzweigungslogik

Beispiel: Ablaufplan einer Umfrage


Ablaufplan einer Umfrage: Verzweigungslogik vom Kaufverhalten bis zur Kartennutzung
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 112 / 274
Kapitel 3 Sektionsübersicht
3
Kapitel

Fragebogen

3.1Fragen stellen
3.2Bewältigung der mangelnden Antwortfähigkeit
3.3Bewältigung der mangelnden Antwortbereitschaft
3.4Erhöhung der Antwortbereitschaft
3.5Reihenfolge von Fragen
3.6Wie geht es weiter?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 113 / 274
3.6 · Wie geht es weiter? Die Einleitung

Eine überzeugende Einleitung gestalten


1
Interesse der Probanden wecken
2
Gründe und Ziele erklären
3
Probanden um Hilfe bitten
4
Betonen, dass ihre Unterstützung wertvoll ist
5
Sagen, wie lange die Umfrage dauert
6
Anonymität betonen
7
Anreize schaffen
Vorzugsweise nicht-monetäre Anreize.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 114 / 274
3.6 · Wie geht es weiter? Der wichtigste Schritt

Pretesten! Pretesten! Pretesten!


Testen Sie den Fragebogen vor dem Einsatz an einer kleinen Stichprobe — und prüfen Sie jeden Aspekt:

Inhalt der Fragen Wortlaut / Formulierung Reihenfolge Form & Layout Schwierigkeit der Frage Anleitungen Analyseverfahren
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 115 / 274
Kapitel 3 · Fragebogen Zusammenfassung

Zusammenfassung


Ablaufplan

Entwickeln Sie einen Ablaufplan der erforderlichen Informationen — ausgehend vom (Markt-)Forschungsproblem.

Ist die Sequenz ausgelegt, werden die Zusammenhänge klar.

Stimmen Sie die erhobenen Daten auf den Informationsbedarf ab.

Legen Sie für jeden Bereich ein klares Ziel fest — daraus ergeben sich die Fragen.

„Kritikerhut" aufsetzen

Gehen Sie zurück zum Ablaufplan und fragen Sie zu jeder Information:

„Muss ich das wirklich wissen — und weiß ich, was ich damit tue?"

… statt „Wäre schön zu wissen, brauche ich aber nicht unbedingt."

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 116 / 274
Kapitel 4 Sektionsübersicht
4
Kapitel

Stichproben

4.1Nicht-zufällige Stichproben
4.2Zufällige Stichproben
4.3Wahl zwischen zufälligen und nicht-zufälligen Stichproben
4.4Größe der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 117 / 274
Kapitel 4 · Stichproben Warum Sampling zählt
Der berühmteste Schlagzeilenfehler der Welt

Dewey Defeats Truman

1948: Die Chicago Daily Tribune verkündet das falsche Wahlergebnis. Präsident Harry Truman schlägt Thomas Dewey — entgegen aller Umfragen.
Grund: voreingenommene, ungenaue Meinungsumfrage.

Harry Truman hält die Zeitung mit der falschen Schlagzeile „Dewey Defeats Truman
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 118 / 274
Kapitel 4 · Stichproben Grundbegriffe

Auswahl der Stichprobe (Sampling)


Grundgesamtheit (groß) mit enthaltener Stichprobe
Grundgesamtheit (Population)
Personenkreis, den wir verstehen wollen — oft segmentiert nach demografischen/psychografischen Merkmalen.
Stichprobe (Sample)
repräsentative Teilmenge der Grundgesamtheit

Die meisten Umfragen können nicht jede Person befragen. Stattdessen wird eine Stichprobe gezogen und untersucht — diese Prozedur heißt Sampling.

Ist Sampling richtig gemacht, lassen sich die Umfrageergebnisse auf die ganze Grundgesamtheit übertragen.

Ist die Stichprobe fehlerhaft gezogen, sind alle Daten nutzlos.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 119 / 274
Kapitel 4 · Stichproben Grundbegriffe

Auswahl der Stichprobe (Sampling)


Grundgesamtheit mit Stichprobe und Probanden
Grundgesamtheit (Population)
Personenkreis, den wir verstehen wollen — oft segmentiert nach demografischen/psychografischen Merkmalen.
Stichprobe (Sample)
repräsentative Teilmenge der Grundgesamtheit
Probanden
Menschen, die antworten

Aber nicht alle Ausgewählten antworten auch: Wer tatsächlich teilnimmt, sind die Probanden.

Die Probanden sind eine Teilmenge der Stichprobe — und nur sie liefern am Ende die Daten. Verzerrt sich diese Gruppe, verzerrt sich das Ergebnis.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 120 / 274
Kapitel 4 · Stichproben Zwei grundlegende Methoden

Sampling: Zwei grundlegende Methoden


Methode 1
Nicht-zufällige Auswahl

Die Stichprobe wird nach dem persönlichen Urteil des Forschers gezogen — oft aufs Geratewohl (Convenience Sample, z. B. Passanten im Einkaufszentrum).

In der Regel kostengünstig; erlaubt eine grobe Einschätzung der Populationsparameter.

Aber: Der Stichprobenfehler ist nicht berechenbar → Ergebnisse sind nicht repräsentativ und nicht auf die Grundgesamtheit übertragbar.
Methode 2
Zufällige Auswahl

Die Stichprobe wird nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

Erlaubt statistische Verfahren zur Bestimmung der Genauigkeit der geschätzten Populationsparameter sowie zur Beurteilung ihrer Konfidenzintervalle.

Ergebnisse sind verallgemeinerbar und können auf die Grundgesamtheit übertragen werden.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 121 / 274
Kapitel 4 · Stichproben Übersicht der Verfahren

Stichproben-Auswahlverfahren


Wurzel
Stichproben-Auswahlverfahren
Nicht-zufällige Verfahren
nach Urteil des Forschers
Willkürliche Auswahl Bewusste Auswahl Quotenplan Schneeball-Verfahren
Zufällige Verfahren
nach Zufallsprinzip
Einfache Zufallsstichproben Systematische Zufallsstichproben Klumpenstichproben Andere Verfahren
Geschichtete Zufallsstichproben
Proportioniert Disproportioniert
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 122 / 274
Kapitel 4 Sektionsübersicht
4
Kapitel

Stichproben

4.1Nicht-zufällige Stichproben
4.2Zufällige Stichproben
4.3Wahl zwischen zufälligen und nicht-zufälligen Stichproben
4.4Größe der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 123 / 274
4.1 · Nicht-zufällige Stichproben Verfahren 1

Willkürliche Auswahl


Hand greift wahllos in eine Schale mit Bonbons

Bei der willkürlichen Auswahl (Auswahl aufs Geratewohl) gelangen die Probanden unkontrolliert in die Stichprobe — meist aus Bequemlichkeit. Oft nur, weil sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Typische Beispiele
Studenten & Mitglieder öffentlicher Organisationen Umfragen in Kaufläden ohne Qualifizierung der Probanden Umfragen auf den Straßen Abriss-Fragebögen in Katalogen und Zeitschriften
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 124 / 274
4.1 · Nicht-zufällige Stichproben Verfahren 2

Bewusste Auswahl


Richterhammer auf einem alten Buch — Auswahl nach Urteil

Die bewusste Auswahl ist eine Form der willkürlichen Auswahl, bei der Probanden nach dem Ermessen des Forschers in die Stichprobe gelangen.

Typische Beispiele
Testmärkte Einkaufsingenieure in der industriellen Marktforschung Mütter als „Nutzer" von Windeln
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 125 / 274
4.1 · Nicht-zufällige Stichproben Verfahren 3

Quotenplan


Die Stichprobe wird nach vorgegebenen Kontrollmerkmalen (z. B. Geschlecht, Alter, Einkommen) gezogen, sodass sie die Struktur der Grundgesamtheit proportional widerspiegelt. Die Objekte werden meist aufs Geratewohl ausgewählt — sie müssen jedoch den Quotenplan erfüllen.

Kontrollmerkmal Grundgesamtheit Stichprobe
Anteil % Anteil % Anzahl
Geschlecht — männlich4848480
weiblich5252520
Summe1001001000
Alter — 18–302727270
31–453939390
45–601616160
über 601818180
Summe1001001000

Wird oft in Online-Umfragen verwendet.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 126 / 274
4.1 · Nicht-zufällige Stichproben Verfahren 4

Schneeball-Verfahren auch Ketten-Verfahren


Schneeball rollt einen Hang hinab und wird größer
1Die erste Probandengruppe wird (in der Regel) zufällig ausgewählt.
2Nach dem Interview benennen sie weitere Personen der Zielgruppe.
3Nachfolgende Probanden werden über Weiterempfehlungen ausgewählt.
Gut zur Lokalisierung seltener Eigenschaften: schwer erreichbare Probanden (Staatsangestellte, Geschäftsführer, Obdachlose, Drogenabhängige), selten auftretende Merkmale, Käufer-Verkäufer-Paare in der industriellen Forschung.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 127 / 274
Kapitel 4 Sektionsübersicht
4
Kapitel

Stichproben

4.1Nicht-zufällige Stichproben
4.2Zufällige Stichproben
4.3Wahl zwischen zufälligen und nicht-zufälligen Stichproben
4.4Größe der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 128 / 274
4.2 · Zufällige Stichproben Fokus

Stichproben-Auswahlverfahren


Wurzel
Stichproben-Auswahlverfahren
Nicht-zufällige Verfahren
nach Urteil des Forschers
Willkürliche Auswahl Bewusste Auswahl Quotenplan Schneeball-Verfahren
Zufällige Verfahren
nach Zufallsprinzip
Erfordern Wissen über die Zusammensetzung der Grundgesamtheit
Einfache Zufallsstichproben Systematische Zufallsstichproben Klumpenstichproben Andere Verfahren
Geschichtete Zufallsstichproben
Proportioniert Disproportioniert
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 129 / 274
4.2 · Zufällige Stichproben Setzt Wissen über die Grundgesamtheit voraus

Einfache und systematische Zufallsstichproben


Einfache Zufallsstichproben
  • Jedes Element wird unabhängig von allen anderen ausgewählt. Das bedeutet:
  • Jedes Element der Grundgesamtheit hat eine bekannte und gleiche Wahrscheinlichkeit, ausgewählt zu werden.
  • Jede mögliche Stichprobe der Größe n hat eine bekannte Wahrscheinlichkeit, tatsächlich gezogen zu werden.
Wähle zufällig
AbolinaTirza
BernhardtCarina
BerzHelena
BoeckNicola
DollaseMiriam
FränzelCarolin
FrostAnnika
GoetzeAnika
JähelFelix
JankNadja
KeitzlInga
KroppJanine
KubitzkyVictoria
LangenEduard
Systematische Zufallsstichproben
  • Zunächst wird ein Startelement zufällig ausgewählt; anschließend wird jedes i-te Element aus dem Stichprobenplan gezogen.
  • Der Abstand i ergibt sich aus dem Umfang der Grundgesamtheit N zum Umfang der Stichprobe n:  i = N / n
Starte hier, dann jedes i-te
AbolinaTirza
iBernhardtCarina
BerzHelena
BoeckNicola
iDollaseMiriam
FränzelCarolin
FrostAnnika
iGoetzeAnika
GrothCarolin
JähelFelix
iJankNadja
KeitzlInga
KroppJanine
KubitzkyVictoria
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 130 / 274
4.2 · Zufällige Stichproben Setzt Wissen über die Grundgesamtheit voraus

Geschichtete Zufallsstichproben


11012
246
7811
359
Stichprobe
210
85

Die Grundgesamtheit wird zunächst in nicht-überlappende Schichten (Stratas) aufgeteilt. Anschließend wird aus jeder Schicht ein (dis-)proportionaler Anteil zufällig gezogen. Elemente einer Schicht sollten einander ähnlich sein.

Gut für
Hervorheben einer bestimmten Subgruppe in der Grundgesamtheit Beobachtung von Zusammenhängen zwischen zwei oder mehr Subgruppen Repräsentative Ziehung auch kleinster und unzugänglichster Subgruppen Höhere statistische Genauigkeit
Proportioniert
SchichtABC
Umfang der Grundgesamtheit100200300
Stichprobenanteil½½½
Stichprobengröße50100150
Disproportioniert
SchichtABC
Umfang der Grundgesamtheit100200300
Stichprobenanteil½
Stichprobengröße20100100
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 131 / 274
4.2 · Zufällige Stichproben Setzt Wissen über die Grundgesamtheit voraus

Klumpenstichproben auch Cluster-Stichproben


12 34 56 78 910 1112
Aufteilung der Grundgesamtheit
56 1112
Stichprobe — 2 Cluster

Die Grundgesamtheit wird in exklusive Klumpen (Cluster) aufgeteilt. Anschließend werden zufällig ganze Cluster ausgewählt, die im vollen Umfang in die Stichprobe gelangen.

Pro Cluster werden entweder alle Elemente (einstufig) oder eine zufällige Teilstichprobe (zweistufig) gezogen.
Gut für
Abdecken großer geographischer Gebiete Reduktion von (Umfrage-)Kosten Wenn eine vollständige Elementliste schwer zu erstellen ist Wenn die Grundgesamtheit aus natürlichen Clustern besteht (Blöcke, Städte, Schulen, Krankenhäuser …)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 132 / 274
Kapitel 4 Sektionsübersicht
4
Kapitel

Stichproben

4.1Nicht-zufällige Stichproben
4.2Zufällige Stichproben
4.3Wahl zwischen zufälligen und nicht-zufälligen Stichproben
4.4Größe der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 133 / 274
4.3 · Wahl zwischen zufälligen und nicht-zufälligen Stichproben Gegenüberstellung aller Verfahren

Stärken und Schwächen von Stichproben-Auswahlverfahren


VerfahrenStärkenSchwächen
Nicht-zufällige Auswahlverfahren
Willkürliche AuswahlAm günstigsten, am wenigsten zeitaufwendig, am bequemstenFehlerbehaftet, nicht repräsentativ; nicht empfohlen für deskriptive und kausale Forschung
Bewusste AuswahlNiedrige Kosten, bequem, nicht zeitaufwendigSubjektiv, Ergebnisse nicht verallgemeinerbar
QuotenplanBestimmte Charakteristiken der Stichprobe können kontrolliert werdenFehlerbehaftet, keine Garantie der Repräsentativität
Schneeball-VerfahrenErmöglicht Einschätzung seltener EigenschaftenZeitaufwendig in der Feldforschung
Zufällige Auswahlverfahren
Einfache ZufallsstichprobenLeicht verständlich; verallgemeinerbare bzw. repräsentative ErgebnisseStichprobenplan schwer zu konstruieren, teuer, geringere Genauigkeit; keine Garantie der Repräsentativität
Systematische ZufallsstichprobenKann Repräsentativität erhöhen; einfacher umzusetzen als einfache ZufallsauswahlKann die Repräsentativität abschwächen
Geschichtete ZufallsstichprobenEnthält alle wichtigen Subgruppen der Grundgesamtheit; hohe GenauigkeitRelevante Aufteilungskriterien schwer auszuwählen; mehrere Kriterien nicht praktikabel; teuer
KlumpenstichprobenEinfach umzusetzen, kosteneffizientUngenau; komplizierte Berechnung und Interpretation der Ergebnisse
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 134 / 274
Kapitel 4 Sektionsübersicht
4
Kapitel

Stichproben

4.1Nicht-zufällige Stichproben
4.2Zufällige Stichproben
4.3Wahl zwischen zufälligen und nicht-zufälligen Stichproben
4.4Größe der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 135 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Qualitative Aspekte statt Populationsgröße

Bestimmung der Stichprobengröße


Die Stichprobengröße hängt nicht von der Größe der Grundgesamtheit ab — sie wird durch die qualitativen Aspekte der Studie bestimmt:

1
Gewünschte Genauigkeit der Vorhersagen
2
Kenntnis über die Parameter der Grundgesamtheit
3
Anzahl von Variablen
4
Typ der Analyse
5
Wichtigkeit der Entscheidung
6
Rücklauf- und Abbruchsquoten
7
Ressourceneinschränkungen
Eine Menschenmenge formt die Silhouette einer kraftvollen Figur — viele Befragte ergeben eine belastbare Stichprobe.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 136 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Richtwerte aus der Praxis

Typische Stichprobengrößen in der Marktforschung


Typ der StudieMinimaler UmfangTypischer Umfang
Problemidentifizierungs-Studien (z. B. Marktpotenzial)5001.000 – 2.000
Problemlösungs-Studien (z. B. Preissetzung)200300 – 500
Produkttests200300 – 500
Studien auf den Testmärkten200300 – 500
TV-/Radio-/Print-Werbung (pro Anzeige)150200 – 300
Audit von Test-Märkten10 Geschäfte10 – 20 Geschäfte
Focus-Gruppen6 Gruppen10 – 15 Gruppen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 137 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Vom Ergebnis zur Genauigkeitsfrage

Ein Umfrageergebnis — und wie sicher ist es?


„Aus welchen Quellen beziehen Sie bevorzugt Ihre Informationen?" (n = 48.804)
Social Media32 %
Suchmaschinen24 %
News-Apps & Online-Portale18 %
Fernsehen12 %
Freunde & Bekannte9 %
Print (Zeitung/Magazin)5 %
32 %

nennen Social Media als Haupt-Informationskanal.

Aber wie nah ist dieser Wert am wahren Wert in der Grundgesamtheit?

Die Antwort liefert die Fehlerspanne — und sie bestimmt den nötigen Stichprobenumfang.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 138 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Definition

Ansatz der Fehlerspanne zur Bestimmung des Stichprobenumfangs


Fehlerspanne

Fehlerspanne ist das Maß der Genauigkeit einer Umfrage.

Je kleiner die Fehlerspanne, desto genauer sind die Schätzungen der Umfrage.

Ergebnis mit Fehlerspanne
31,55 %
32,45 %
32 %
Fehlerspanne  ± 0,45 Prozentpunkte
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 139 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Fehlerspanne berechnen

Ansatz der Fehlerspanne: zwei Formeln


x = x-Dach ± E
x = echter Wert des Parameters = Stichprobenwert E = Fehlerspanne
Für metrische Daten
Mittelwerte
Beurteilung der auf der Stichprobe errechneten Mittelwerte
E = z · σ / Wurzel n
zz-Wert für das vorgegebene Vertrauensniveau
σStandardabweichung des Parameters in der Grundgesamtheit
nUmfang der Stichprobe
Für Anteile
Verhältnisse
Beurteilung errechneter Verhältnisse (Proportionen)
E = z · Wurzel aus pi(1-pi)/n
zz-Wert für das vorgegebene Vertrauensniveau
πSchätzwert für die Proportion in der Grundgesamtheit
nUmfang der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 140 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Das Problem der unbekannten Streuung

Ansatz der Fehlerspanne: zwei Formeln


x = x-Dach ± E
x = echter Wert des Parameters = Stichprobenwert E = Fehlerspanne
Für metrische Daten
Mittelwerte
Beurteilung der auf der Stichprobe errechneten Mittelwerte
Meistens unbekannt E = z · σ / Wurzel n — σ markiert
zz-Wert für das vorgegebene Vertrauensniveau
σStandardabweichung des Parameters in der Grundgesamtheit
nUmfang der Stichprobe
Für Anteile
Verhältnisse
Beurteilung errechneter Verhältnisse (Proportionen)
Meistens unbekannt E = z · Wurzel aus pi(1-pi)/n — Zähler markiert
zz-Wert für das vorgegebene Vertrauensniveau
πSchätzwert für die Proportion in der Grundgesamtheit
nUmfang der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 141 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Worst-Case-Annahme π = 0,5

Ansatz der Fehlerspanne: zwei Formeln


x = x-Dach ± E
x = echter Wert des Parameters = Stichprobenwert E = Fehlerspanne
Für metrische Daten
Mittelwerte
Beurteilung der auf der Stichprobe errechneten Mittelwerte
Meistens unbekannt E = z · σ / Wurzel n — σ markiert
zz-Wert für das vorgegebene Vertrauensniveau
σStandardabweichung des Parameters in der Grundgesamtheit
nUmfang der Stichprobe
Für Anteile
Verhältnisse
Beurteilung errechneter Verhältnisse (Proportionen)
Meistens unbekannt E = z · Wurzel aus pi(1-pi)/n — Zähler rot und grün markiert Maximal bei π = 0,5
zz-Wert für das vorgegebene Vertrauensniveau
πSchätzwert für die Proportion in der Grundgesamtheit
nUmfang der Stichprobe
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 142 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Ansatz der Fehlerspanne

z-Werte und maximale Fehlerspanne


z-Werte
1,96 für 95 % Vertrauensniveau
2,58 für 99 % Vertrauensniveau
Maximale Fehlerspanne für 95 % Vertrauensniveau

Mit z = 1,96 und dem Maximum π = 0,5 vereinfacht sich die Formel zu:

E = z · Wurzel(π(1−π)/n) = 1,96 · Wurzel(0,5(1−0,5)/n) ≈ 1/Wurzel(n)

… die obere Grenze des Fehlers — unabhängig vom tatsächlichen Anteil π.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 143 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Wie genau ist diese Zahl?

Wie hoch ist die Fehlerspanne?


„Aus welchen Quellen beziehen Sie bevorzugt Ihre Informationen?"

32 % nennen Social Media als Haupt-Informationskanal
Stichprobe 48.804 Befragte
Fehlerspanne = 1 geteilt durch Wurzel n
48.804 Probanden in der Stichprobe
48.804 = 220,916 ≈ 221
1 / 221 = 0,0045
· 100 = 0,45 %
⇒ x = 32 % ± 0,45 %
⇒ von 31,55 % bis 32,45 %

Berechnungen zeigen approximierte Werte für 95 % Vertrauensniveau

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 144 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Ansatz der Fehlerspanne

Wie groß muss die Stichprobe sein?


E ≈ 1/Wurzel(n)  ⇒  n ≈ (1/E)²

Je höher die gewünschte Genauigkeit, desto größer muss die Stichprobe sein.

± 1 %
n = (1 / 0,01)² = 100²
10.000
± 2 %
n = (1 / 0,02)² = 50²
2.500
± 5 %
n = (1 / 0,05)² = 20²
400
± 10 %
n = (1 / 0,1)² = 10²
100
Doppelte Genauigkeit kostet die vierfache Stichprobe. Der Umfang hängt nicht von der Größe der Grundgesamtheit ab.

Berechnungen zeigen approximierte Werte für 95 % Vertrauensniveau

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 145 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Sonderfall

Was, wenn die Grundgesamtheit klein ist?


Für eine Fehlerspanne von ± 1 % bräuchte man:
n = (1 / 0,01)² = 100²
10.000
Was aber, wenn die Grundgesamtheit nur 100 Elemente umfasst? (z. B. Autohersteller)
Faustregel

Ist die Stichprobe größer als 10 % der Grundgesamtheit, sind Korrekturen notwendig.

Sonst überschätzt die Formel den nötigen Umfang — die endliche Grundgesamtheit verringert den tatsächlichen Stichprobenfehler.

Berechnungen zeigen approximierte Werte für 95 % Vertrauensniveau

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 146 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Endlichkeitskorrektur

Korrektur des Stichprobenumfangs


nkorr = n · N n + N − 1
nkorrkorrigierter Umfang der Stichprobe
n(unkorrigierter) Umfang der Stichprobe
NUmfang der Grundgesamtheit
Beispiel · N = 100

Rechnerisch nötig wären n = 10.000 — bei nur 100 Elementen in der Grundgesamtheit:

nkorr = (10.000 · 100) / (10.000 + 100 − 1)
= 1.000.000 / 10.099 ≈ 99

Mehr als die Grundgesamtheit kann man nicht befragen — die Korrektur bringt den Umfang auf ein realistisches Maß.

Berechnungen zeigen approximierte Werte für 95 % Vertrauensniveau

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 147 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Korrektur in der Praxis

Korrektur bei kleiner Grundgesamtheit: ± 1 %


n ≈ (1/E)² nkorr=n · Nn + N − 1
Rechnerisch nötig
n = (1 / 0,01)² = 100²
10.000
… bei nur N = 100 Elementen in der Grundgesamtheit.
Korrigiert
nkorr = (10.000 · 100) / (10.000 + 100 − 1)
= 1.000.000 / 10.099
≈ 99

Berechnungen zeigen approximierte Werte für 95 % Vertrauensniveau

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 148 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Korrektur in der Praxis

Korrektur bei kleiner Grundgesamtheit: ± 5 %


n ≈ (1/E)² nkorr=n · Nn + N − 1
Rechnerisch nötig
n = (1 / 0,05)² = 20²
400
… bei nur N = 100 Elementen in der Grundgesamtheit.
Korrigiert
nkorr = (400 · 100) / (400 + 100 − 1)
= 40.000 / 499
≈ 80

Berechnungen zeigen approximierte Werte für 95 % Vertrauensniveau

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 149 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Korrektur in der Praxis

Korrektur bei kleiner Grundgesamtheit: ± 10 %


n ≈ (1/E)² nkorr=n · Nn + N − 1
Rechnerisch nötig
n = (1 / 0,1)² = 10²
100
… bei nur N = 100 Elementen in der Grundgesamtheit.
Korrigiert
nkorr = (100 · 100) / (100 + 100 − 1)
= 10.000 / 199
≈ 50

Berechnungen zeigen approximierte Werte für 95 % Vertrauensniveau

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 150 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Begriffe

Konfidenzintervall und Vertrauensniveau


Konfidenzintervall

Ein geschätzter Zahlenbereich zusammen mit der Angabe der Wahrscheinlichkeit, dass dieser Bereich den unbekannten Parameterwert enthält.

Vertrauensniveau

Der erwartete Anteil der Intervalle, die bei vielen Stichprobenziehungen den Parameterwert enthalten.

Beispiel · Arbeitsstunden

Stichprobe von 30 Personen → Ø 7,5 h. Konfidenzintervall: 7,2 – 7,8 h (Fehlerspanne ± 0,3).

95 % Vertrauensniveau heißt: Würde man die Messung 100-mal mit neuen Stichproben wiederholen, läge der echte Durchschnitt in 95 Fällen in diesem Bereich.

Viele Stichproben · 95 % treffen μ
7.07.58.08.5μ = 7,6 h

Jeder Balken = ein Konfidenzintervall. Rot = verfehlt den wahren Wert.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 151 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Zusammenhang

Konfidenzintervall, Fehlerspanne und Stichprobenumfang


Je höhere Sicherheit (Vertrauenswahrscheinlichkeit) wir brauchen, desto breiter wird das Konfidenzintervall — und desto höher die Fehlerspanne.

1,96
für 95 %
→ Fehlerspanne ≈ 1 / √n
2,58
für 99 %
→ Fehlerspanne ≈ 1,29 / √n
Mehr Sicherheit → größerer z-Wert → für dieselbe Genauigkeit braucht man eine größere Stichprobe.
95 %
E = 1,96 · Wurzel(0,5(1−0,5)/n) = 1/Wurzel(n)
99 %
E = 2,58 · Wurzel(0,5(1−0,5)/n) = 1,29/Wurzel(n)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 152 / 274
4.4 · Größe der Stichprobe Zum Mitnehmen

Was die Fehlerspanne-Formel uns sagt


E = z · Wurzel(π(1−π)/n)
n ↑
senkt E
z ↑
hebt E
1

Der einzige Hebel, um die Fehlerspanne zu senken, ist ein größeres n — alles andere ist vorgegeben.

2

Mehr Sicherheit heißt größeres z → die Fehlerspanne wächst → man braucht ein noch größeres n, um sie wieder zu drücken.

Kleinere Fehlerspannen erfordern größere Stichproben.
Höhere Vertrauensniveaus erfordern größere Stichproben.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 153 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 154 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Zwei Grundtypen

Typen von statistischen Analysemethoden


Typ 1
Deskriptive Statistik

Fasst die Beobachtungen aus der Stichprobe zusammen und stellt sie übersichtlich dar.

Nutzt Kennzahlen, Tabellen, Grafiken und Diagramme zur Beschreibung, Systematisierung, Organisation und Darstellung der erhobenen Daten.

Typ 2
Induktive Statistik

Macht Aussagen über die Generalisierbarkeit von Beobachtungen und Schlussfolgerungen aus Zufallsstichproben auf die Grundgesamtheit.

Beurteilt Beziehungen zwischen Variablen und quantifiziert sie: Stärke und Signifikanz, Vorhersagen und Schätzungen.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 155 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 156 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 157 / 274
5.1.1 · Zusammenfassung qualitativer Daten Tabellen

Häufigkeiten und relative Häufigkeiten


Erhobene Daten · Lieblingsfarbe (n = 26)

Häufigkeitsverteilung gibt zu jedem Wert an, wie oft er in den Daten vorkommt.

Relative Häufigkeit zeigt den Anteil (bzw. Prozent) der Beobachtungen eines Wertes.

LieblingsfarbeHäufigkeitRelative Häufigkeit
blau1010/26 ≈ 0,38
rot33/26 ≈ 0,12
orange11/26 ≈ 0,04
gelb33/26 ≈ 0,12
grün55/26 ≈ 0,19
rosa33/26 ≈ 0,12
lila11/26 ≈ 0,04
Gesamt261,00
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 158 / 274
5.1.1 · Zusammenfassung qualitativer Daten Grafische Darstellung

Säulendiagramm


Säulenhöhe = Häufigkeit oder relative Häufigkeit

Säulen dürfen sich nicht berühren

Absolute Häufigkeiten
10
3
1
3
5
3
1
Lieblingsfarbe
HÄUFIGKEIT024681012blaurotorangegelbgrünrosalila
Relative Häufigkeiten
0,38
0,12
0,04
0,12
0,19
0,12
0,04
Lieblingsfarbe
RELATIVE HÄUFIGKEIT0%5%10%15%20%25%30%35%40%45%blaurotorangegelbgrünrosalila
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 159 / 274
5.1.1 · Zusammenfassung qualitativer Daten Grafische Darstellung

Kreisdiagramm


Lieblingsfarbe
38%12%12%19%12%
blau38 %
rot12 %
orange4 %
gelb12 %
grün19 %
rosa12 %
lila4 %

Sollte immer relative Häufigkeiten angeben.

Braucht Beschriftungen — direkt am Diagramm oder in der Legende.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 160 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx 161 / 274
5.1.2 · Zusammenfassung quantitativer DatenTabellen

Tabellen


Erhobene Daten
22245333321235343123532132
Anzahl der KinderHäufigkeitRelative Häufigkeit
133/26 ≈ 0,12
288/26 ≈ 0,31
31010/26 ≈ 0,38
422/26 ≈ 0,08
533/26 ≈ 0,12

Diskrete Variable ist eine quantitative Variable, die entweder eine endliche Anzahl von Werten oder eine unendlich abzählbare Anzahl von Werten (z. B. 0, 1, 2, 3, …) hat.

Manchmal gibt es zu viele Werte, um für jeden Wert eine Zeile zu erstellen. Dann fasst man mehrere Werte zu Gruppen (Klassen) zusammen.

Erhobene Daten
62876758959491695276828591607772837963887988707575
Punkte in der PrüfungHäufig­keit
Untere Klassengrenze 50–59 2
Obere Klassengrenze 60–69 5
70–79 7
Klassenbreite = 90 − 80 = 10 80–89 7
90–99 4
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx162 / 274
5.1.2 · Zusammenfassung quantitativer DatenVon der Tabelle zum Histogramm

Tabellen und Histogramme


Anzahl der KinderHäufigkeitRelative Häufigkeit
133/26 ≈ 0,12
288/26 ≈ 0,31
31010/26 ≈ 0,38
422/26 ≈ 0,08
533/26 ≈ 0,12
HÄUFIGKEIT02468101212345ANZAHL DER KINDER
RELATIVE HÄUFIGKEIT0.000.100.200.300.400.5012345ANZAHL DER KINDER
∅ Zeit unterwegsHäufigkeitRelative Häufigkeit
16–17,911/15 ≈ 0,07
18–19,922/15 ≈ 0,13
20–21,911/15 ≈ 0,07
22–23,966/15 ≈ 0,40
24–25,922/15 ≈ 0,13
26–27,911/15 ≈ 0,07
28–29,911/15 ≈ 0,07
30–31,911/15 ≈ 0,07
Durchschnittliche Zeit unterwegs
HÄUFIGKEIT01234567161820222426283032ZEIT (MINUTEN)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx163 / 274
5.1.2 · Zusammenfassung quantitativer DatenGrafische Darstellung

Histogramm


Ein Histogramm stellt eine klassierte Häufigkeitsverteilung grafisch dar.

Die Höhe jeder Säule entspricht der Häufigkeit (oder relativen Häufigkeit) der Klasse.

Die Breiten sind gleich und die Säulen berühren einander — anders als beim Balkendiagramm.

Durchschnittliche Zeit unterwegs
HÄUFIGKEIT01234567161820222426283032ZEIT (MINUTEN)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx164 / 274
5.1.2 · Zusammenfassung quantitativer DatenGrafische Darstellung

Frequenz-Polygonzug


1

Markiere den Mittelpunkt oben auf jeder Säule des Histogramms.

2

Verbinde die Mittelpunkte mit geraden Linien.

3

Führe die Linie an beiden Enden auf Null zurück — fertig ist der Polygonzug.

Durchschnittliche Zeit unterwegs
HÄUFIGKEIT01234567161820222426283032ZEIT (MINUTEN)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx165 / 274
5.1.2 · Zusammenfassung quantitativer DatenGrafische Darstellung

Kumulative Tabellen und Ogiven


Kumulative Tabelle

zeigt die Summe der Häufigkeiten bis hin und einschließlich der jeweiligen Zeile.

Ogive

ist der Graph der kumulierten relativen Häufigkeit über alle Klassen.

∅ Zeit unterwegs · jede Zeile addiert die vorige relative Häufigkeit
∅ ZeitRelative HäufigkeitKumulierte rel. Häufigkeit
16–17,91/15 ≈ 0,070,07
18–19,92/15 ≈ 0,130,07+0,13 0,20
20–21,91/15 ≈ 0,070,20+0,07 0,27
22–23,96/15 ≈ 0,400,27+0,40 0,67
24–25,92/15 ≈ 0,130,67+0,13 0,80
26–27,91/15 ≈ 0,070,80+0,07 0,87
28–29,91/15 ≈ 0,070,87+0,07 0,94
30–31,91/15 ≈ 0,070,94+0,07 1,00
Durchschnittliche Zeit unterwegs
KUMULIERTE REL. HÄUFIGKEIT0,00,20,40,60,81,0161820222426283032ZEIT (MINUTEN)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx166 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx167 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungLagemaße

Lagemaße


Mittelwert
x̄ = (x₁ + x₂ + ⋯ + xₙ) / n = ∑xᵢ / n
Vorteile

Einfach zu berechnen: nur aufsummieren und teilen.

Intuitiv – eine Zahl „in der Mitte“; wird von großen Werten nach oben, von kleinen nach unten gezogen.

Nachteile

Kann durch Ausreißer verzogen werden – schlecht bei stark variierenden Daten.

Der Mittelwert von 100, 200 und −300 ist 0. Das ist verwirrend.

3+8+4=5+5+5
Summe einzelner ElementeSumme durchschnittlicher Elemente
Mittelwert ist der „Schwerpunkt“ –
ganz wie der Gleichgewichtspunkt
121212131313 = 12,5 Jahre 121212131334 = 16 Jahre
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx168 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungLagemaße

Lagemaße


Median
x̃ = x_(n+1)/2 für ungerade n; ½(x_n/2 + x_n/2+1) für gerade nfür ungerade nfür gerade n
Vorteile

Kann gut mit Ausreißern umgehen – oft die genaueste Abbildung einer Gruppe.

Teilt die Daten in zwei gleich große Gruppen.

Nachteile

Schwieriger zu berechnen: Daten müssen zuvor sortiert werden.

Weniger bekannt; viele verwechseln „Median“ mit „Durchschnitt“.

50% unterhalb50% oberhalb
Median ist das Element in der Mitte
einer sortierten Liste
121212131313M = 12,5 Jahre 121212131334M = 12,5 Jahre
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx169 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungLagemaße

Lagemaße


Modalwert
Vorteile

Gut für exklusive Auswahl (diese oder andere; keine Kompromisse) – funktioniert mit nominalen Daten.

Zeigt die Wahl, die die meisten wollten (der Mittelwert führt oft zu einer Wahl, die keiner wollte).

Einfach zu verstehen.

Nachteile

Erfordert mehr Aufwand: man muss die Stimmen zählen.

„Der Sieger nimmt alles“ — es gibt keinen Mittelweg.

AnzahlWerte
Modalwert ist der häufigste Wert
unter allen Beobachtungen der Variable
Modalwert von ist
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx170 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungLagemaße

Lagemaße: Mittelwert und Median bestimmen die Form der Verteilung


Mittelwert istnach unten verzogenMedian
linksschief
Mittelwert und Mediansind ungefähr gleich
symmetrisch
MedianMittelwert istnach oben verzogen
rechtsschief
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx171 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungStreuungsmaße

Streuungsmaße


Varianz ist der Durchschnitt von quadrierten Abständen vom Mittelwert
Empirische Varianz
(Varianz der Grundgesamtheit)
σ² = ∑(xᵢ − μ)² / n
Stichproben-
Varianz
s² = ∑(xᵢ − x̄)² / (n − 1)
Carmelo Anthony – 6′8″+1½″Carlos Boozer – 6′9″+2½″Chris Bosh – 6′10″+3½″Kobe Bryant – 6′6″−0½″Dwight Howard – 6′11″+4½″LeBron James – 6′8″+1½″Jason Kidd – 6′4″−2½″Chris Paul – 6′0″−6½″Tayshaun Prince – 6′9″+2½″Michael Redd – 6′6″−0½″Dwayne Wade – 6′4″−2½″Deron Williams – 6′3″−3½″μ = 6′ 6½″Körpergrößen des US-Basketballteams (Olympia 2008)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx172 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungStreuungsmaße

Streuungsmaße


Stichproben-
Varianz
s² = ∑(xᵢ − x̄)² / (n − 1)
Warum Varianz?
x̄ = (1,5 + 2,5 + 3,5 − 0,5 + 4,5 + 1,5 − 2,5 − 6,5 + 2,5 − 0,5 − 2,5 − 3,5) / 12 = 0

Der Mittelwert funktioniert wie ein Gleichgewichtspunkt – die durchschnittliche Abweichung vom Mittelwert ist immer Null.

Bei der Varianz werden alle Abweichungen quadriert, damit negative und positive Abweichungen sich nicht aufheben.

s² = 117 / (12 − 1) ≈ 10,6
Carmelo Anthony – 6′8″+1½″Carlos Boozer – 6′9″+2½″Chris Bosh – 6′10″+3½″Kobe Bryant – 6′6″−0½″Dwight Howard – 6′11″+4½″LeBron James – 6′8″+1½″Jason Kidd – 6′4″−2½″Chris Paul – 6′0″−6½″Tayshaun Prince – 6′9″+2½″Michael Redd – 6′6″−0½″Dwayne Wade – 6′4″−2½″Deron Williams – 6′3″−3½″μ = 6′ 6½″Körpergrößen des US-Basketballteams (Olympia 2008)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx173 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungStreuungsmaße

Streuungsmaße


Standard-
abweichung
s = √s²σ = √σ²

Standardabweichung behält die Messeinheiten der Originaldaten.

s² = 117 / (12 − 1) ≈ 10,6 Quadratzolls = √10,6 ≈ 3,3 Zoll
Welcher Datensatz hat eine höhere Standardabweichung?
405060708090100
48 49 52 55 57 58 62 64 65 66 67 72 72 73 75 78 78 78 79 82 84 86 88 89 93 94 95
405060708090100
48 55 57 61 64 65 68 71 71 72 73 73 74 75 78 78 79 79 79 79 82 84 85 88 89 92 95
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx174 / 274
5.1.3 · Numerische ZusammenfassungStreuungsmaße

Beziehung zwischen Standardabweichung und Normalverteilung


Normalverteilung mit Standardabweichungen
99,7% der Daten liegen innerhalb 3 Standardabweichungen vom Mittelwert
95% innerhalb 2 Standardabweichungen
68% innerhalb 1
Standard-
abweichung
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx175 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx176 / 274
5.1.4 · KreuztabellenWas & wozu

Kreuztabellen


i

Kreuztabellen

Kreuztabellen fassen die gemeinsame Verteilung von zwei (oder mehr) diskreten Variablen tabellarisch zusammen.

Sie helfen, den Zusammenhang einer Variablen (z. B. Markentreue) mit einer anderen (z. B. Geschlecht) zu analysieren.

Jede Zelle steht für eine Kombination der Ausprägungen.

Typische Fragestellungen, die eine Kreuztabelle beantwortet:

  • Wie viele markentreue Konsumenten sind Männer?
  • Hängt die Nutzungshäufigkeit (hoch, mittel, niedrig) eines Produkts mit Outdoor-Aktivitäten (oft, manchmal, selten, nie) zusammen?
  • Hängt die Vertrautheit mit einem neuen Produkt mit Alter und Bildungsniveau zusammen?
  • Hängt der Besitz eines Produkts mit dem Einkommen (hoch, mittel, niedrig) zusammen?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx177 / 274
5.1.4 · KreuztabellenBeispiel: zwei Variablen

Kreuztabellen


Hängt der Besitz von teuren Automarken vom Bildungsgrad ab?
Besitz von teuren Automarken nach Bildungsgrad
Besitz eines
teuren Autos
Bildungsgrad
HochschulabschlussKein Hochschulabschluss
ja32 %21 %
nein68 %79 %
Gesamt100 %100 %
Anzahl der Fälle250750
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx178 / 274
5.1.4 · KreuztabellenDie dritte Variable

Kreuztabellen


Manchmal kann die Einführung einer dritten Variable aufdecken …
Fall 1Scheinbare BeziehungenDer scheinbare Zusammenhang löst sich auf, sobald man kontrolliert.
Fall 2Verdeckte ZusammenhängeEin zuvor unsichtbarer Zusammenhang wird sichtbar.
Fall 3Keine VeränderungDie ursprüngliche Beziehung bleibt unverändert bestehen.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx179 / 274
5.1.4 · KreuztabellenFall 1 · die dritte Variable

Kreuztabellen


Fall 1Scheinbare
Beziehung
Hängt der Besitz von teuren Automarken vom Bildungsgrad ab?
Besitz von teuren Automarken nach Bildungsgrad und Einkommensniveau
Besitz eines
teuren Autos
Hohes EinkommenGeringes Einkommen
Hochschul­abschlussKein Hochschul­abschlussHochschul­abschlussKein Hochschul­abschluss
ja20 %20 %40 %40 %
nein80 %80 %60 %60 %
Gesamt100 %100 %100 %100 %
Anzahl der Fälle10070015050
Ist die Beziehung noch da?
Nein — innerhalb jeder Einkommensgruppe ist der Autobesitz gleich (20 % bzw. 40 %). Der Zusammenhang mit dem Bildungsgrad war scheinbar; tatsächlich wirkt das Einkommen.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx180 / 274
5.1.4 · KreuztabellenFall 2 · die dritte Variable

Kreuztabellen


Fall 2Verdeckter
Zusammenhang
Hat Alter Einfluss auf Reise- und Abenteuerlust?
Verlangen nach Auslandsreisen nach Alter
Verlangen nach
Auslandsreisen
Alter
Unter 4545 und mehr
ja50 %50 %
nein50 %50 %
Gesamt100 %100 %
Anzahl der Fälle500500
… nach Alter und Geschlecht
Verlangen nach
Auslandsreisen
MännlichWeiblich
< 45≥ 45< 45≥ 45
ja60 %40 %35 %65 %
nein40 %60 %65 %35 %
Gesamt100 %100 %100 %100 %
Anzahl der Fälle300300200200
Aggregiert (50 %/50 %) scheint Alter keine Rolle zu spielen. Erst getrennt nach Geschlecht zeigt sich: bei Männern steigt, bei Frauen sinkt die Reiselust mit dem Alter — ein verdeckter Zusammenhang.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx181 / 274
5.1.4 · KreuztabellenFall 3 · die dritte Variable

Kreuztabellen


Fall 3Keine
Veränderung
Hängt die Besuchshäufigkeit von Fast-Food-Restaurants mit der Familiengröße zusammen?
Besuchshäufigkeit nach Familiengröße
Gehen häufig in
Fast-Food-Restaurants
Familiengröße
SmallLarge
ja50 %50 %
nein50 %50 %
Gesamt100 %100 %
Anzahl der Fälle500500
… nach Familiengröße und Einkommen
Gehen häufig in
Fast-Food-Restaurants
Geringes EinkommenHohes Einkommen
SmallLargeSmallLarge
ja50 %50 %50 %50 %
nein50 %50 %50 %50 %
Gesamt100 %100 %100 %100 %
Anzahl der Fälle250250250250
Auch nach Einführung der dritten Variable (Einkommen) bleibt überall 50 %/50 % — die ursprüngliche (Nicht-)Beziehung ändert sich nicht.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx182 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx183 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx184 / 274
5.2.1 · HypothesentestWas & Ablauf

Hypothesentest


i

Hypothesentest

Ein fünfstufiges Verfahren, das auf Basis einer Stichprobe und mithilfe der Wahrscheinlichkeitstheorie bestimmt, ob eine Hypothese hinreichend begründet ist.

Anders gesagt: eine Methode zu prüfen, ob sich die Ergebnisse einer Zufallsstichprobe auf die Grundgesamtheit übertragen lassen.

Vorgehensweise in fünf Schritten:

  • Formulierung einer Nullhypothese und ihrer Alternativhypothese
  • Festlegen des Signifikanzniveaus
  • Wahl der geeigneten Teststatistik
  • Formulierung der Entscheidungsregel
  • Berechnung der Kennzahlen aus der Stichprobe und Treffen der Entscheidung
„Menschen sind sich irrtümlicherweise zuversichtlich in ihrem Wissen und unterschätzen die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Überzeugungen sich als falsch erweisen. Sie neigen dazu, nur solche Informationen zu suchen, die bestätigen, was sie ohnehin schon glauben."— Max Bazerman
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx185 / 274
5.2.1 · HypothesentestAusgangsbeispiel

Hypothesentest


Nutzen Männer wirklich häufiger das Internet als Frauen — in der ganzen Bevölkerung?
Internetnutzung und Geschlecht · Stichprobe n = 30
Internet­nutzungGeschlechtGesamt
MännlichWeiblich
selten51015
häufig10515
Gesamt1515n = 30
In der Stichprobe nutzen Männer häufiger das Internet. Aber gilt das auch in der Grundgesamtheit — oder ist es Zufall der Stichprobe?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx186 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 1 · Hypothesen

Hypothesentest


Schritt 1 · Formulierung einer Nullhypothese und ihrer Alternativhypothese
H₀Es gibt keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Häufigkeit der Internetnutzung.
IN_m = IN_f
H₁Männer und Frauen zeigen unterschiedliches Internetnutzungsverhalten.
IN_m ≠ IN_f

Nullhypothese (H₀) ist eine Behauptung des Status quo — dass es keinen Unterschied bzw. keinen Effekt gibt.

Alternativhypothese (H₁) behauptet das Gegenteil — dass es einen Unterschied bzw. einen Effekt gibt.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx187 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 2 · Fehlerarten

Hypothesentest


Schritt 2 · Festlegen vom Signifikanzniveau

Signifikanz (α) — Wahrscheinlichkeit, dass eine wahre Nullhypothese zurückgewiesen wird.

β — Wahrscheinlichkeit, dass eine falsche Nullhypothese angenommen wird.

α — Signifikanz
Nullhypothese (H₀)
ist wahr
Nullhypothese (H₀)
ist falsch
Nullhypothese
zurückweisen
Fehler 1. ArtFalse positiveRichtige EntscheidungTrue positive
Nullhypothese
NICHT zurückweisen
Richtige EntscheidungTrue negativeFehler 2. ArtFalse negative
(1−β) — Power
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx188 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 2 · Analogie Strafprozess

Hypothesentest


Schritt 2 · Festlegen vom Signifikanzniveau

Analogie: Unschuld in einem Strafprozess.
H₀: Der Angeklagte ist unschuldig.

Signifikanz (α) — Wahrscheinlichkeit, dass eine wahre Nullhypothese zurückgewiesen wird.

β — Wahrscheinlichkeit, dass eine falsche Nullhypothese angenommen wird.

Verurteilung eines Unschuldigen
Nullhypothese (H₀)
ist wahr
Nullhypothese (H₀)
ist falsch
Nullhypothese
zurückweisen
Fehler 1. ArtFalse positiveRichtige EntscheidungTrue positive
Nullhypothese
NICHT zurückweisen
Richtige EntscheidungTrue negativeFehler 2. ArtFalse negative
Freilassen eines Verbrechers
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx189 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 2 · Analogie Löwe

Hypothesentest


Schritt 2 · Festlegen vom Signifikanzniveau

Analogie: Rascheln im Gebüsch — ist das ein Löwe?
H₀: Es gibt keinen Löwen im Gebüsch.

Signifikanz (α) — Wahrscheinlichkeit, dass eine wahre Nullhypothese zurückgewiesen wird.

β — Wahrscheinlichkeit, dass eine falsche Nullhypothese angenommen wird.

Es gibt keinen Löwen, aber Sie laufen weg
Nullhypothese (H₀)
ist wahr
Nullhypothese (H₀)
ist falsch
Nullhypothese
zurückweisen
Fehler 1. ArtFalse positiveRichtige EntscheidungTrue positive
Nullhypothese
NICHT zurückweisen
Richtige EntscheidungTrue negativeFehler 2. ArtFalse negative
Sie bleiben unbesorgt — und der Löwe frisst Sie
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx190 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 2 · Übliche Niveaus

Hypothesentest


Schritt 2 · Festlegen vom Signifikanzniveau

Signifikanz (α) — Wahrscheinlichkeit, dass eine wahre Nullhypothese zurückgewiesen wird.

β — Wahrscheinlichkeit, dass eine falsche Nullhypothese angenommen wird.

Signifikanzniveaus in der Marktforschung
α — Signifikanzniveau
0,01  (1 %)
0,05  (5 %)
(1−α) — Vertrauenswahrscheinlichkeit
0,99  (99 %)
0,95  (95 %)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx191 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 3 · Welcher Test?

Hypothesentest


Schritt 3 · Wahl der geeigneten Teststatistik

In unserem Beispiel geht es um die Verteilung nicht-metrischer Variablen (seltene/häufige Internetnutzung; Männer/Frauen) in einer Stichprobe.

StichprobeAnwendung aufSkalenniveauTeststatistiken / Kommentare
Eine StichprobeVerteilungenNicht-metrischKolmogorow-Smirnow- und χ²-Test auf Anpassungsgüte; Runs-Test auf Zufälligkeit; Binomialtest für dichotome Variablen
MittelwerteMetrischt-Test (Varianz unbekannt); z-Test (Varianz bekannt)
ProportionenMetrischz-Test
Zwei unabhängige StichprobenVerteilungenNicht-metrischKolmogorow-Smirnow-Test auf Übereinstimmung von Verteilungen für zwei Stichproben
MittelwerteMetrischZweistichproben-t-Test; F-Test für Gleichheit von Varianzen
ProportionenMetrisch, Nicht-metrischz-Test; χ²-Test
Rangplätze / MedianeNicht-metrischMann-Whitney-U-Test (sensibler als Median-Test)
Gepaarte StichprobenMittelwerteMetrischPaardifferenz-t-Test
ProportionenNicht-metrischMcNemar-Test für binäre Variablen; χ²-Test
Rangplätze / MedianeNicht-metrischWilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test (sensibler als Vorzeichentest)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx192 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 3 · unser Fall

Hypothesentest


Schritt 3 · Wahl der geeigneten Teststatistik

Eine Stichprobe · Verteilung · nicht-metrisch  →  der χ²-Test auf Anpassungsgüte.

StichprobeAnwendung aufSkalenniveauTeststatistiken / Kommentare
Eine StichprobeVerteilungenNicht-metrischKolmogorow-Smirnow- und χ²-Test auf Anpassungsgüte; Runs-Test auf Zufälligkeit; Binomialtest für dichotome Variablen
MittelwerteMetrischt-Test (Varianz unbekannt); z-Test (Varianz bekannt)
ProportionenMetrischz-Test
Zwei unabhängige StichprobenVerteilungenNicht-metrischKolmogorow-Smirnow-Test auf Übereinstimmung von Verteilungen für zwei Stichproben
MittelwerteMetrischZweistichproben-t-Test; F-Test für Gleichheit von Varianzen
ProportionenMetrisch, Nicht-metrischz-Test; χ²-Test
Rangplätze / MedianeNicht-metrischMann-Whitney-U-Test (sensibler als Median-Test)
Gepaarte StichprobenMittelwerteMetrischPaardifferenz-t-Test
ProportionenNicht-metrischMcNemar-Test für binäre Variablen; χ²-Test
Rangplätze / MedianeNicht-metrischWilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test (sensibler als Vorzeichentest)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx193 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 3 · χ²-Idee

Hypothesentest


Schritt 3 · Wahl der geeigneten Teststatistik

Die χ²-Teststatistik (Chi-Quadrat) prüft die statistische Signifikanz des in einer Kreuztabelle beobachteten Zusammenhangs.

H₀Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Variablen.

χ² prüft die Gleichheit von Häufigkeitsverteilungen — welche Häufigkeiten vergleichen wir?

  • fe  — Häufigkeiten, die wir in den Zellen erwarten würden, wenn es keinen Zusammenhang gäbe.
  • fo  — tatsächlich beobachtete Häufigkeiten.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx194 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 3 · erwartete Häufigkeiten

Hypothesentest


Schritt 3 · Wahl der geeigneten Teststatistik
fe  — Häufigkeiten, die wir in den Zellen erwarten würden, wenn es keinen Zusammenhang gäbe.
fo  — tatsächlich beobachtete Häufigkeiten.
fe = nr · ncn
nr — Gesamtsumme in einer Zeile
nc — Gesamtsumme in einer Spalte
n  — Umfang der Stichprobe
fe₁,₁ = 15 · 1530 = 7,5
fe₁,₂ = 15 · 1530 = 7,5
fe₂,₁ = 15 · 1530 = 7,5
fe₂,₂ = 15 · 1530 = 7,5
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx195 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 3 · χ²-Berechnung

Hypothesentest


fe  — Häufigkeiten, die wir in den Zellen erwarten würden, wenn es keinen Zusammenhang gäbe.
fo  — tatsächlich beobachtete Häufigkeiten.
Schritt 3 · Wahl der geeigneten Teststatistik
χ² = Σ über alle Zellen (f_o − f_e)² / f_e

χ² sollte immer nur mit absoluten Häufigkeiten berechnet werden. Liegen die Daten in Prozent (relative Häufigkeiten) vor, müssen sie zuvor in absolute Häufigkeiten umgerechnet werden.

In unserem Beispiel:
χ² = (5−7,5)²7,5 + (10−7,5)²7,5 + (10−7,5)²7,5 + (5−7,5)²7,5 = 0,833 · 4 = 3,333
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx196 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 4 · Entscheidungsregel

Hypothesentest


Schritt 4 · Formulierung der Entscheidungsregel

TScal — beobachteter (berechneter) Wert der Teststatistik.

TScr — kritischer Wert der Teststatistik für das gewählte Signifikanzniveau.

Wenn die Wahrscheinlichkeit von TScal < Signifikanzniveau (α), dann lehne H₀ ab.
oder
Wenn TScal > TScr, dann weise H₀ zurück.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx197 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 4 · Vergleich

Hypothesentest


Schritt 4 · Formulierung der Entscheidungsregel
Kritische Werte von χ² für verschiedene Signifikanzniveaus α
df0,990,9750,950,900,100,050,0250,01
10,0010,0040,0162,7063,8415,0246,635
20,0200,0510,1030,2114,6055,9917,3789,210
30,1150,2160,3520,5846,2517,8159,34811,345
40,2970,4840,7111,0647,7799,48811,14313,277
50,5540,8311,1451,6109,23611,07112,83315,086
60,8721,2371,6352,20410,64512,59214,44916,812
71,2391,6902,1672,83312,01714,06716,01318,475
81,6462,1802,7333,49013,36215,50717,53520,090
92,0882,7003,3254,16814,68416,91919,02321,666
102,5583,2473,9404,86515,98718,30720,48323,209
df = (r−1)(c−1)
df  — Freiheitsgrade
r   — Anzahl von Zeilen
c   — Anzahl von Spalten
df = (2−1)(2−1) = 1
Wenn die Wahrscheinlichkeit von TScal < (α), dann lehne H₀ ab.
oder
Wenn TScal > TScr, dann weise H₀ zurück.
χ²cal = 3,333
χ²cr = 3,841
3,333 < 3,841  ⟹  χ²cal < χ²cr
H₀ kann NICHT zurückgewiesen werden
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx198 / 274
5.2.1 · HypothesentestSchritt 5 · Entscheidung

Hypothesentest


Schritt 5 · Treffen der Entscheidung
Ist der Beweis da?
Was sind die Konsequenzen?
  • H₀ — dass es keinen Zusammenhang gibt — kann nicht zurückgewiesen werden.
  • Der Zusammenhang ist auf dem Signifikanzniveau von 0,05 statistisch nicht signifikant.
  • Die aus der Stichprobe beobachteten Ergebnisse können nicht auf die Grundgesamtheit verallgemeinert werden.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx199 / 274
5.2.1 · HypothesentestFazit zum Beispiel

Hypothesentest


Internetnutzung und Geschlecht · n = 30
Internet­nutzungGeschlechtGesamt
MännlichWeiblich
selten51015
häufig10515
Gesamt1515n = 30
Nutzen Männer wirklich häufiger das Internet als Frauen — in der Grundgesamtheit?
Antwort: Die Stichprobe erbringt dafür keine Beweise.

Wenn die Stichprobe sorgfältig ausgewählt und gezogen wurde, können wir mit 95 % Vertrauenswahrscheinlichkeit behaupten, dass es keinen solchen Zusammenhang gibt.

Ansonsten — wir wissen es nicht.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx200 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx201 / 274
5.2.2 · Stärke des ZusammenhangsÜbersicht

Prüfung der Stärke des Zusammenhangs


χ² prüft nur die Signifikanz eines Zusammenhangs und trifft keine Aussage über seine Stärke.

Einfacher Nachweis: Verdoppelung aller Werte in der Kreuztabelle führt zur Verdoppelung von χ² — der Zusammenhang selbst bleibt aber gleich.

Maße für die Stärke des Zusammenhangs sind:
φ
Phi-Koeffizient
C
Kontingenz­koeffizient
V
Cramers V
λ
Lambda-Koeffizient
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx202 / 274
5.2.2 · Stärke des ZusammenhangsPhi-Koeffizient

Phi-Koeffizient


φ = Wurzel aus χ² geteilt durch n

Je höher φ, desto stärker ist der Zusammenhang zwischen den Variablen.

Werte > 0,30 werden als substantiell angesehen.

Probleme:
  • φ ist nicht standardisiert und hat eine Obergrenze von 1 nur für 2×2-Tabellen; sie hängt von den Tabellendimensionen ab.
  • φ-Werte aus verschiedenen Studien können nicht miteinander verglichen werden.
In unserem Beispiel:
φ = Wurzel aus 3,333 geteilt durch 30 = 0,333

Der Zusammenhang ist nicht besonders stark.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx203 / 274
5.2.2 · Stärke des ZusammenhangsKontingenzkoeffizient

Kontingenzkoeffizient


C = Wurzel aus χ² geteilt durch (χ² + n)

Je höher C, desto stärker ist der Zusammenhang zwischen den Variablen.

Werte > 0,30 werden als substantiell angesehen.

Obwohl C-Werte die Obergrenze von 1 haben, können sie diese Grenze faktisch nicht erreichen.

Probleme:
  • C ist nicht standardisiert und hängt von den Tabellendimensionen ab.
  • C-Werte aus verschiedenen Studien können nicht miteinander verglichen werden.
In unserem Beispiel:
C = Wurzel aus 3,333 geteilt durch (3,333 + 30) = 0,316

Der Zusammenhang ist nicht besonders stark.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx204 / 274
5.2.2 · Stärke des ZusammenhangsCramers V

Cramers V


V = Wurzel aus χ² geteilt durch n mal (min(r,c) − 1)
r  — Anzahl von Zeilen
c  — Anzahl von Spalten

Je höher V, desto stärker ist der Zusammenhang zwischen den Variablen.

Werte > 0,30 werden als substantiell angesehen.

V-Werte haben die Obergrenze von 1, können sie aber ebenfalls faktisch nur bei 2×2-Tabellen erreichen.

Probleme:
  • V ist nicht standardisiert und hängt von den Tabellendimensionen ab.
  • V-Werte aus verschiedenen Studien können nicht miteinander verglichen werden.
In unserem Beispiel:
V = Wurzel aus 3,333 geteilt durch 30 mal (2 − 1) = 0,333

Der Zusammenhang ist nicht besonders stark.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx205 / 274
5.2.2 · Stärke des ZusammenhangsLambda-Koeffizient

Lambda-Koeffizient


λ = (Summe über c der maxᵣ(n_rc) − maxᵣ(n_r)) geteilt durch (n − maxᵣ(n_r))
r  — Zeilenindex
c  — Spaltenindex

Gibt Aufschluss darüber, inwieweit die Kenntnis der Ausprägung einer Variable bei der Prognose der anderen Variable hilft.

Ist standardisiert zwischen 0 und 1 (1 — fehlerfreie Prognose, 0 — keine Verbesserung der Vorhersage).

λ-Werte aus verschiedenen Studien können miteinander verglichen werden.

In unserem Beispiel:
λ = ((10 + 10) − 15) geteilt durch (30 − 15) = 0,333

Kenntnis vom Geschlecht erhöht die Prognosegenauigkeit um den Faktor 0,333, d.h. 33,3 % Verbesserung.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx206 / 274
5.2.2 · Stärke des ZusammenhangsLambda · Berechnung

Lambda-Koeffizient


Summe der maximalen Häufigkeiten aller Spalten

λ — Zähler: Summe über c der maxᵣ(n_rc) minus maxᵣ(n_r); Nenner: n − maxᵣ(n_r)

maximaler Gesamtwert einer Zeile

r  — Zeilenindex
c  — Spaltenindex
Internet­nutzungGeschlechtGesamt
(Zeile)
MännlichWeiblich
r = 1selten51015
r = 2häufig10515
Gesamt (Spalte)15c = 115c = 2n = 30
λ = ((10 + 10) − 15) geteilt durch (30 − 15) = 0,333

Kenntnis vom Geschlecht erhöht die Prognosegenauigkeit um den Faktor 0,333, d.h. 33,3 % Verbesserung.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx207 / 274
Kapitel 5 · Datenanalyse Sektionsübersicht
5
Kapitel

Datenanalyse

5.1Deskriptive Statistik: Darstellung und Präsentation von Daten
5.1.1Zusammenfassung qualitativer Daten
5.1.2Zusammenfassung quantitativer Daten
5.1.3Numerische Zusammenfassung von Daten
5.1.4Kreuztabellen
5.2Induktive Statistik: Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit
5.2.1Hypothesentest
5.2.2Stärke des Zusammenhangs in Kreuztabellen
5.2.3Beziehung zwischen zwei (metrischen) Variablen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx208 / 274
5.2.3 · Beziehung zweier VariablenTypen des Zusammenhangs

Typen vom Zusammenhang zweier Variablen


Soweit die Daten nicht aus einem kontrollierten Experiment stammen, können wir nur die Existenz einer Beziehung zwischen den Variablen behaupten — nicht jedoch die kausale Richtung dieser Beziehung.

Linear
Linear
Nicht-linear
Kein Zusammenhang
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx209 / 274
5.2.3 · Beziehung zweier VariablenLineare Korrelation

Lineare Korrelation


Zwei Variablen korrelieren positiv, wenn höhere Werte einer Variable höheren Werten der anderen Variable entsprechen.

Zwei Variablen korrelieren negativ, wenn höhere Werte einer Variable niedrigeren Werten der anderen Variable entsprechen.

Positive Korrelation

Negative Korrelation

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx210 / 274
5.2.3 · Beziehung zweier VariablenKorrelationskoeffizient

Linearer Korrelationskoeffizient


Eigenschaften:
  • Werte des linearen Korrelationskoeffizienten liegen immer zwischen −1 und 1.
  • Bei r = +1 besteht ein vollständig positiver linearer Zusammenhang zwischen den Variablen.
  • Bei r = −1 besteht ein vollständig negativer linearer Zusammenhang zwischen den Variablen.
  • Je näher r an +1 bzw. −1 liegt, desto stärker der jeweilige Zusammenhang.
  • Liegt r nahe 0, gibt es kaum Nachweis für einen linearen Zusammenhang — das bedeutet aber nicht, dass es gar keine Beziehung gibt, eben nur keine lineare.
i

Linearer Korrelationskoeffizient

Der (Pearsonsche) lineare Korrelationskoeffizient misst die Stärke der linearen Beziehung zwischen zwei Variablen.

r = Summe (x_i − x̄)(y_i − ȳ) geteilt durch Wurzel(Summe (x_i − x̄)²) mal Wurzel(Summe (y_i − ȳ)²)
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx211 / 274
5.2.3 · Beziehung zweier VariablenRechenbeispiel

Linearer Korrelationskoeffizient


Stärke der Beziehung zwischen Variablen
r-WertInterpretation
0 bis 0,3Sehr schwach
0,3 bis 0,5Schwach
0,5 bis 0,7Mittel
0,7 bis 0,9Hoch
0,9 bis 1Sehr hoch
r = Summe (x_i − x̄)(y_i − ȳ) geteilt durch Wurzel(Summe (x_i − x̄)²) mal Wurzel(Summe (y_i − ȳ)²)
xy(xᵢ−x̄)(yᵢ−ȳ)(xᵢ−x̄)(yᵢ−ȳ)(xᵢ−x̄)²(yᵢ−ȳ)²
869812,513,5168,75156,25182,25
6270−11,5−14,5166,75132,25210,25
5256−21,5−28,5612,75462,25812,25
9011016,525,5420,75272,25650,25
6676−7,5−8,563,7556,2572,25
80966,511,574,7542,25132,25
78864,51,56,7520,252,25
74840,5−0,5−0,250,250,25
Mittelwert73,584,5
Summe151411422062
r = 1514 geteilt durch (Wurzel 1142 mal Wurzel 2062) ≈ 0,987
yx
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx212 / 274
5.2.3 · Beziehung zweier VariablenRegressionsanalyse

Regressionsanalyse


Beispiele:
  • Können Werbeausgaben die Absatzänderungen erklären?
  • Kann der Marktanteil auf die Größe der Verkaufsabteilung zurückgeführt werden?
  • Wird die Qualitätswahrnehmung von Konsumenten von ihrer Wahrnehmung vom Preis beeinflusst?
i

Regressionsanalyse

Die Regressionsanalyse ist ein mächtiges und flexibles Instrument zur Analyse von assoziativen Beziehungen zwischen einer metrischen abhängigen Variable und einer oder mehreren unabhängigen Variablen.

Ermöglicht:
  • die Existenz der Beziehung zu bestimmen,
  • die Stärke der Beziehung zu quantifizieren,
  • ein mathematisches Modell (Formel) der Beziehung abzuleiten,
  • Werte der abhängigen Variable vorherzusagen,
  • den Einfluss anderer unabhängiger Variablen zu berücksichtigen.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx213 / 274
5.2.3 · Beziehung zweier VariablenRechenbeispiel

Regressionsanalyse


Wie viele Produkteinheiten werden wir absetzen, wenn wir €85.000 für die Werbung ausgeben?

Werbe­ausgaben,
€1.000
Absatz,
€1.000
40377
60507
70555
110779
150869
160818
190862
200817
Erhobene Daten
Zusammenhang zwischen Absatz und Werbeausgaben
0 200 400 600 800 1000 0 50 100 150 200 250 y = 2,8239x + 352,07 R² = 0,8364 Absatz, €1.000 Werbeausgaben, €1.000
  • Werbeausgaben erklären 83,6 % der Varianz vom Absatz.
  • Jeder zusätzliche in die Werbung investierte Euro bringt €2,82 zusätzlichen Absatz.
  • €85.000 Werbeausgaben resultieren in 2,8239 · 85 + 352,07 = 592,1 (Tsd. €) Absatz.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx214 / 274
Kapitel 6 · Fortgeschrittene Techniken Sektionsübersicht
6
Kapitel

Fortgeschrittene Techniken der Marktforschung

Einige nützliche Konzepte
6.1Conjoint-Analyse
6.2Marktsimulationen
6.3Segmentierung
6.4Wahrnehmungskarten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx215 / 274
Kapitel 6 · Fortgeschrittene Techniken Sektionsübersicht
6
Kapitel

Fortgeschrittene Techniken der Marktforschung

Einige nützliche Konzepte
6.1Conjoint-Analyse
6.2Marktsimulationen
6.3Segmentierung
6.4Wahrnehmungskarten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx216 / 274
6.1 · Conjoint-AnalyseDefinition

Conjoint-Analyse


i

Conjoint-Analyse

Die Conjoint-Analyse ist eine Reihe von Techniken, die in der Marktforschung für die Analyse von attributbasierten Präferenzen von Konsumenten eingesetzt werden — d.h. um zu bestimmen, wie wichtig unterschiedliche Produkteigenschaften und Eigenschaftsausprägungen für die Konsumenten sind.

Wie soll unser neues Produkt aussehen?

Besonderheiten
  • Bewertung von ganzheitlichen Objekten
  • Dekomposition von Präferenzen
Stark verbreitet in
  • Segmentierung
  • Entwicklung von neuen Produkten
  • Preissetzung
Reihe verschiedenfarbiger Produktflaschen — Variantenvielfalt eines Produkts
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx217 / 274
6.1 · Conjoint-AnalyseDirekte Abfrage

Conjoint-Analyse


Bitte geben Sie an, inwieweit folgende PC-Eigenschaften bei Ihrer nächsten Entscheidung über den Kauf eines PCs wichtig sind?
ganz und gar
nicht wichtig
ausgesprochen
wichtig
Hersteller/Marke
Prozessorleistung, GHz
Speicher, GB
Display-Größe
Preis
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx218 / 274
6.1 · Conjoint-AnalyseErwartung

Conjoint-Analyse


Erwartung
Wir erwarten, dass uns die Befragten klare Unterschiede in der Wichtigkeit verraten.
Frage: „Bitte geben Sie an, inwieweit folgende PC-Eigenschaften bei Ihrer nächsten Kaufentscheidung wichtig sind?“
ganz und gar
nicht wichtig
ausgesprochen
wichtig
Hersteller/Marke
Prozessorleistung, GHz
Speicher, GB
Display-Größe
Preis
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx219 / 274
6.1 · Conjoint-AnalyseRealität

Conjoint-Analyse


Realität
In der Realität ist den Befragten praktisch alles wichtig.
Frage: „Bitte geben Sie an, inwieweit folgende PC-Eigenschaften bei Ihrer nächsten Kaufentscheidung wichtig sind?“
ganz und gar
nicht wichtig
ausgesprochen
wichtig
Hersteller/Marke
Prozessorleistung, GHz
Speicher, GB
Display-Größe
Preis
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx220 / 274
6.1 · Conjoint-AnalyseWarum gemeinsam beurteilen?

Conjoint-Analyse


Relative Wichtigkeiten einzelner Produkteigenschaften können besser gemessen werden, wenn sie von Probanden als einheitliches Stimulus beurteilt werden (CONsidered JOINTly), als wenn jede Eigenschaft isoliert bewertet wird:

  • Viele Konsumenten sind nicht in der Lage, die relative Wichtigkeit einzelner Produkteigenschaften zu bestimmen.
  • Einzelne Eigenschaften werden isoliert anders wahrgenommen als ihre Kombination, die ein ganzheitliches Produkt ausmacht.
  • Die Konstruktion der bevorzugten Eigenschaftskombination belastet die kognitiven Fähigkeiten von Probanden — „alle Eigenschaften sind wichtig“.
  • Soziale Erwünschtheit und scharf ausgeprägte Selbsteinschätzung motivieren Probanden, einigen Eigenschaften viel Gewicht zu geben, auch wenn sie keine Rolle spielen (z. B. Umweltfreundlichkeit, Wohlstand, verringerte Bedeutung vom Preis).
  • Einige Probanden versuchen absichtlich, die Ergebnisse zu manipulieren, indem sie „vorteilhafte“ Antworten geben (z. B. Überbewertung der Wichtigkeit vom Preis).
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx221 / 274
6.1 · Conjoint-AnalyseWahlaufgabe

Conjoint-Analyse


Wenn Sie heute einen Laptop kaufen müssten und dies die einzig auf dem Markt verfügbaren Alternativen wären — welche Alternative würden Sie wählen?
MacBook Air
M3-Chip (8 Kerne)
16 GB Speicher
13,6″ Display
€ 1.299,–
Dell XPS 14
Core Ultra 7
32 GB Speicher
14,5″ Display
€ 1.899,–
ASUS Zenbook
Ryzen 7 (8 Kerne)
16 GB Speicher
14″ Display
€ 999,–
Keine
Wenn das die einzigen Alternativen wären, würde ich den Kauf aufschieben.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx222 / 274
Kapitel 6 · Fortgeschrittene Techniken Sektionsübersicht
6
Kapitel

Fortgeschrittene Techniken der Marktforschung

Einige nützliche Konzepte
6.1Conjoint-Analyse
6.2Marktsimulationen
6.3Segmentierung
6.4Wahrnehmungskarten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx223 / 274
6.2 · MarktsimulationenPräferenzwerte

Marktsimulationen


Angesichts folgender Präferenzwerte — welches Produkt sollten wir auf dem Markt anbieten?

Produktalternativen
Blau Rot Gelb
Proband #1504010
Proband #206575
Proband #3403020
Mittelwert304535
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx224 / 274
6.2 · MarktsimulationenDer naheliegende Schluss

Marktsimulationen


Angesichts folgender Präferenzwerte — welches Produkt sollten wir auf dem Markt anbieten?

Produktalternativen
Blau Rot Gelb
Proband #1504010
Proband #206575
Proband #3403020
Mittelwert304535
Rot" hat den höchsten durchschnittlichen Präferenzwert.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx225 / 274
6.2 · MarktsimulationenAber: die tatsächliche Wahl

Marktsimulationen


Angesichts folgender Präferenzwerte — welches Produkt sollten wir auf dem Markt anbieten?

Produktalternativen Wahl
Blau Rot Gelb
Proband #1504010Blau
Proband #206575Gelb
Proband #3403020Blau
Mittelwert304535Rot
„Rot" hat zwar den höchsten Durchschnitt — doch niemand wählt tatsächlich „Rot".
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx226 / 274
6.2 · MarktsimulationenWarum? Der Wettbewerb!

Marktsimulationen


Angenommen: 80 % der Kunden bevorzugen runde Dinge, 20 % bevorzugen eckige. Welche Art von Dingen sollten wir auf den Markt bringen?

80 % runde Dinge
20 %
Ohne Zusatzinformation

Die Wahl scheint offensichtlich — gehe dahin, wo die meisten Kunden sind:

„runde Dinge"der „fette" Teil des Marktes
Was, wenn …

es bereits 10 Wettbewerber gibt, die ALLE runde Dinge anbieten?

10 Anbieter kämpfen um dieselben 80 % — die 20 % „eckig" sind völlig unbesetzt.

Erst im Kontext des Wettbewerbs zeigt sich: Der kleinere, unbesetzte Markt kann profitabler sein — genau das macht eine Marktsimulation sichtbar.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx227 / 274
6.2 · MarktsimulationenDie Vorteile

Warum Marktsimulationen?


Marktsimulationen spiegeln die Realität besser wider als rein datengetriebene Modelle — und liefern Entscheidungen, die im Wettbewerb tatsächlich tragen.

01

Näher an der Realität

  • bilden idiosynkratische Präferenzen von Segmenten und Individuen ab
  • berücksichtigen Präferenzen und konkurrierende Angebote am Markt
02

Nischen statt nur Masse

Kein Zwang, sich auf den „fetten" Teil des Marktes zu fixieren — auch unbesetzte Segmente können guten Profit bringen.

03

„Versuchslabor"

Eine Vielzahl realer Markt­chancen lässt sich risikofrei durchspielen — samt ihrer möglichen Ergebnisse.

04

Aktionsfähig fürs Management

Die Ergebnisse sind leicht verständlich und lassen sich direkt in Entscheidungen übersetzen.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx228 / 274
6.2 · MarktsimulationenDer grundlegende Prozess

Was machen Marktsimulationen?


Der grundlegende Prozess läuft für jeden Probanden einzeln ab — und wird anschließend zu Marktanteilen aggregiert:

Input
Präferenzstruktur des Probanden
bekannt — z. B. aus der Conjoint-Analyse
+
Input
Erschöpfende Marktinformation
existierende und simulierte Produktangebote
Wahlregel
Produktwahl bzw. Auswahl­wahrscheinlichkeit
pro Proband bestimmt
Aggregiert
Marktanteile jedes Produkts
Σ über alle Probanden
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx229 / 274
6.2 · MarktsimulationenWahlregeln

Was machen Marktsimulationen?


Die Produktwahl je Proband wird durch sogenannte Wahlregeln bestimmt — z. B.:

Regel der ersten Wahl

First-Choice-Rule
  • Das Produkt mit dem höchsten Nutzen wird gewählt.
  • Auswahlwahrscheinlichkeit = 100 % für dieses Produkt, 0 % für alle anderen.

BTL-Modell

nach Bradley · Terry · Luce
  • Auswahlwahrscheinlichkeit hängt vom relativen Nutzenanteil am Markt ab.
  • Auch Produkte mit geringem Präferenz- bzw. Nutzenwert erhalten eine positive Wahrscheinlichkeit.
π_h = U_h geteilt durch Summe aller U_h

Logit-Regel

kontrastbasiert
  • Auswahlwahrscheinlichkeit steigt mit zunehmendem Kontrast im Produktnutzen.
  • Ermöglicht eine a-priori-Anpassung simulierter an reale Marktanteile.
π_h(α) = e hoch α·U_h geteilt durch Summe e hoch α·U_h
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx230 / 274
Kapitel 6 · Fortgeschrittene Techniken Sektionsübersicht
6
Kapitel

Fortgeschrittene Techniken der Marktforschung

Einige nützliche Konzepte
6.1Conjoint-Analyse
6.2Marktsimulationen
6.3Segmentierung
6.4Wahrnehmungskarten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx231 / 274
6.3 · SegmentierungGrundbegriff

Marktsegmentierung


Marktsegmentierung

Marktsegmentierung bezeichnet die Aufspaltung des „relevanten Marktes" in Gruppen von Konsumenten, die nach innen homogen und nach außen heterogen sind — und bildet die Grundlage einer differenzierten Marktbearbeitung.

Heterogene Gesamtgruppe wird in drei nach innen homogene Segmente aufgeteilt

Aus einer gemischten Gesamtgruppe werden in sich homogene, untereinander verschiedene Segmente.

Ziel

Entwicklung effizienter Produktdifferenzierungs­strategien — für eine möglichst optimale Ausschöpfung der Potentiale einzelner Segmente.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx232 / 274
6.3 · SegmentierungEffektivität

Effektive Marktsegmentierung


Sechs Kriterien bestimmen die Effizienz und Wirtschaftlichkeit einer Segmentlösung:

1

Identifizierbarkeit

Konsumenten lassen sich auf Basis einfach messbarer Variablen identifizieren.

2

Substantialität

Segmente müssen groß genug sein, um Investitionen amortisieren zu können.

3

Zugänglichkeit

Gezielte Ansprache bzw. gezielter Einsatz des Marketing-Mix ist möglich.

4

Stabilität

… über den Zeitraum von Planung, Durchführung und Wirkung segmentspezifischer Maßnahmen.

5

Verhaltensrelevanz

Einheitliche Reaktion auf segmentspezifische Maßnahmen (z. B. Preisänderung).

6

Handlungsfähigkeit

Sinnvoll und hilfreich bei der Formulierung des Marketing-Mix.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx233 / 274
6.3 · SegmentierungTypologie der Merkmale

Typologie von Segmentierungsmerkmalen


Generell
Produktspezifisch
Beobachtbar
  • Kulturelle Merkmale
  • Geographische Merkmale
  • Demographische Merkmale
  • Sozioökonomische Merkmale
  • Nutzerstatus & Nutzungssituation
  • Nutzungshäufigkeit & -intensität
  • Markentreue & -loyalität
Nicht beobachtbar
  • Psychographische Merkmale
  • Werte
  • Persönlichkeit & Lifestyle
  • Nutzenvorstellungen / Produktnutzen
  • Einstellungen & Wahrnehmung
  • Präferenzen, Motive & Absichten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx234 / 274
6.3 · SegmentierungNutzen-Segmentierung

Nutzen-Segmentierung


Der Nutzen, den Konsumenten von Produkten erwarten, gilt als eines der relevantesten Segmentierungsmerkmale überhaupt:

… Der Nutzen, den Menschen von Produkten erwarten, ist einer der Hauptgründe für die Heterogenität in ihrem Wahlverhalten. Somit ist der Nutzen das relevanteste Segmentierungsmerkmal.

— Haley, 1968

… Nutzen ist eines der beliebtesten Merkmale der Segmentierung — zwecks Marktverständnis, Positionierung, Entwicklung neuer Produktkonzepte sowie Werbe- und Vertriebsstrategien. Das alles aufgrund seiner Aktionsfähigkeit.

— Wind, 1978
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx235 / 274
6.3 · SegmentierungBewertung der Merkmale

Bewertung von Segmentierungsmerkmalen


Merkmalstyp Identifizier-
barkeit
Substan-
tialität
Zugäng-
lichkeit
Stabilität Handlungs-
fähigkeit
Verhaltens-
relevanz
1 · Generelle, beobachtbare++++++++
2 · Spezifische, beobachtbare
Kauf+++++
Nutzung++++++
3 · Generelle, nicht beobachtbare
Persönlichkeit±±±
Lifestyle±±±
Psychographische Merkmale±±±
4 · Spezifische, nicht beobachtbare
Psychographische Merkmale±+++±
Wahrnehmung±++
Nutzen bzw. Nutzenvorstellungen+++++++
Absichten++±++

Markiert — die in der Praxis aussichtsreichsten Merkmale: In Kombination decken sie die Segmentierungskriterien am besten ab.

++sehr geeignet +geeignet ±bedingt ungeeignet
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx236 / 274
6.3 · SegmentierungCluster-Profile · „Weihnachtsbäume"

Wie unterscheiden sich die Segmente?


SchnelligkeitÖffnungszeitenServiceNähe / LageFamilienfreundlichStammlokalLieferungZeitersparnisGenussQualitätPreis-LeistungNiedriger PreisGesunde ErnährungAtmosphäre1CLUSTER111111111111112CLUSTER222222222222223CLUSTER333333333333334CLUSTER44444444444444
Stamm = Gesamtmittel über alle Befragten Ast (gestrichelt) = Cluster-Mittel ± 1 Standardabweichung Reihenfolge oben → unten: F-Ratio absteigend (oben am besten trennend) Schematische Darstellung zur Veranschaulichung des Prinzips
Oben stehen die Merkmale mit der höchsten F-Ratio — kleine Streuung, klare Lage zum Stamm: Sie trennen die Segmente am besten. Nach unten wächst die Streuung, die Cluster überlappen — die Trennkraft sinkt.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx237 / 274
6.3 · SegmentierungParadox

Paradox der Nutzensegmentierung


Bei der Segmentierung nach erwartetem Nutzen muss man klar zwischen zwei Typen von Variablen unterscheiden:

Typ (i) · Trennen

Diskriminierende Variablen

Wichtig, um die Stichprobe in nach innen homogene Segmente zu trennen.

Typ (ii) · Verstehen

Treiber-Variablen

Wichtig, weil sie den Nutzen bzw. die Eigenschaften darstellen, die Probanden je Segment am meisten verlangen.

Es ist verlockend anzunehmen, beide seien dasselbe. Manchmal ja — meistens jedoch nicht: Die „Treiber" variieren oft gar nicht zwischen den Segmenten und besitzen keine Diskriminanzkraft (z. B. Preis, Qualität).
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx238 / 274
Kapitel 6 · Fortgeschrittene Techniken Sektionsübersicht
6
Kapitel

Fortgeschrittene Techniken der Marktforschung

Einige nützliche Konzepte
6.1Conjoint-Analyse
6.2Marktsimulationen
6.3Segmentierung
6.4Wahrnehmungskarten
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx239 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenPositionierung

Positionierung


Positionierung

Positionierung richtet alle Marketingaktivitäten an den Präferenzstrukturen der potenziellen Kunden aus — unter Berücksichtigung der Wettbewerbsprodukte.

Ziel: die Unternehmensleistungen so zu gestalten, dass die von Kunden wahrgenommenen Ist-Eigenschaften mit den gewünschten Soll-Eigenschaften in Übereinstimmung gebracht werden.

Ein roter Apfel zwischen grünen Äpfeln
Wie der rote Apfel zwischen grünen: eine klar unterscheidbare Position.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx240 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenRolle der Wahrnehmung

Die Rolle der Wahrnehmung


Dieselben Probanden, dieselben Colas — nur das Wissen um die Marke ändert sich. Die Präferenz kippt:

Diet PepsiDiet Coke

Blindtest

Probanden wissen nicht, welche Cola sie trinken
Diet Pepsi
51 %
Diet Coke
44 %
Keine Präferenz
5 %

„Offener" Test

Probanden wissen, welche Cola sie trinken
Diet Pepsi
23 %
Diet Coke
65 %
Keine Präferenz
12 %
Blind gewinnt Pepsi — mit Markenwissen gewinnt Coke. Nicht das Produkt entscheidet, sondern die Wahrnehmung.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx241 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenGrundbegriff

Wahrnehmungskarten


Wahrnehmungskarte von Biermarken mit Eigenschaftsvektoren
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen

Wahrnehmungskarten bilden die Positionen konkurrierender Produkte, Marken oder Unternehmen in einem „virtuellen" Eigenschaftsraum ab — so, wie Konsumenten die gesamte Produktkategorie wahrnehmen.

Achsen

Die latenten Produkteigenschaften, die zwischen allen Alternativen am besten differenzieren.

Vektoren

Geben Richtung und Stärke wahrgenommener Produkteigenschaften an.

Abstände

Zwischen zwei Alternativen entsprechen dem Grad ihrer wahrgenommenen (Un-)Ähnlichkeit.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx242 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenZiel der Positionierung

Ziel der Positionierung


PS-Zahl Komfort Idealpunkt / Idealposition Produkt A Produkt B

Ziel der Positionierung ist es, in der Wahrnehmung von Konsumenten eine solche Position einzunehmen, die:

  • möglichst nah am Idealpunkt und
  • möglichst weit weg von der Konkurrenz ist.

Jede Achse ist eine latente Eigenschaft; jedes Produkt nimmt eine wahrgenommene Position ein.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx243 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenBeispiel: Sessel-Designs

Wahrnehmungskarte von Sessel-Designs


Wahrnehmungskarte von 100 Sessel-Designs mit Eigenschaftsvektoren
Kompliziert
Emotional
Übertrieben
Leicht
Modern
Einfach
Rational
Realistisch
Schwer
Traditionell
Quelle: Chuang & Chen (2008), International Journal of Design
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx244 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenBeispiel: Biermarken

Wahrnehmungskarten


Wahrnehmungskarte von Biermarken mit Eigenschaftsvektoren
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen
Quelle: Moore / Pessemier (1993), S. 145
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx245 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenWettbewerbsintensität

Wahrnehmungskarten


Wettbewerbsintensität

Je näher die Marken sind, desto ähnlicher sind sie in der Wahrnehmung der Konsumenten — desto stärker („direkter") ist der Wettbewerb.

Wahrnehmungskarte von Biermarken
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen
Relativ starke Konkurrenz
Gleiche Distanz = ähnliche Wett­bewerbsintensität
Relativ schwache Konkurrenz
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx246 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenEigenschaftsvektoren

Wahrnehmungskarten


Eigenschaftsvektoren

Wahrnehmung von Brands durch Konsumenten: Je weiter ein Brand vom Ursprung entlang eines Eigenschaftsvektors entfernt ist, desto stärker ist diese Eigenschaft bei ihm ausgeprägt.

Wahrnehmungskarte von Biermarken
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen
Das populärste Bier unter Männern
Das unpopulärste Bier unter Männern
Gleiche Popularität unter Frauen, Unterschied unter Männern
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx247 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenBeziehungen zwischen Eigenschaften

Wahrnehmungskarten


Beziehungen zwischen den Eigenschaften

Je kleiner der Winkel zwischen Eigenschaftsvektoren, desto höher ist deren paarweise Korrelation.

Wahrnehmungskarte von Biermarken
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen
Gleiche Popularität unter Männern, starker Unterschied unter Frauen
Gleiche Popularität unter Frauen, Unterschied unter Männern
Die unter Männern populären Marken neigen dazu, stark zu sein
Rechter Winkel ⇒ Popularität unter Männern sagt nichts über Popularität unter Frauen aus
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx248 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenLänge = Differenzierungsgrad

Wahrnehmungskarten


Länge des Eigenschaftsvektors zeigt seinen Differenzierungsgrad

Je länger der Vektor ist, desto stärker differenziert diese Eigenschaft zwischen den Bieren.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Populär unter Männern
Konsumenten können die Marken auf der Dimension „Populär unter Männern" besser differenzieren als auf der Dimension „Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis".
Wahrnehmungskarte von Biermarken
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx249 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenAchsen = stärkste Differenzierung

Wahrnehmungskarten


Achsen differenzieren am stärksten

Achsen sind „virtuelle" Eigenschaftsvektoren, die am stärksten differenzieren. Ihre Bezeichnung wird meist aus den benachbarten Vektoren abgeleitet.

Wahrnehmungskarte von Biermarken
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen
Zeigen in etwa eine Richtung; korrelieren sowohl rechnerisch als auch inhaltlich
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx250 / 274
6.4 · Wahrnehmungskarten… und Segmentierung

Wahrnehmungskarten


Wahrnehmungskarten und Segmentierung

Einfache Bewertung von Segmentpotenzialen und -attraktivität; einfache Formulierung von Positionierungsstrategien, -aussagen und Werbekampagnen.

Mögliche Themen für Werbekampagnen:

Segment A: Starkes Bier für starke Männer.
Segment B: Echte Ladies trinken hochwertiges helles Bier zu besonderen Anlässen.
Segment C: Leichtes Helles — gutes Bier zum guten Preis.
Wahrnehmungskarte von Biermarken
Budget
Hochwertig
Stark
Leicht
Arbeiter
Vollmundig
Stark
Populär unter
Männern
Zum
besonderen
Anlass
Auswärts essen
Hochwertig
Gutes Preis-
Leistungs-Verhältnis
Günstig
Hell
Leicht
Nicht
sättigend
Populär unter
Frauen
Segment
A
Segment
C
Segment
B
Präferenzen vom Segment C sind nicht befriedigt → offene Marktlücke?
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx251 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenBeispiel: Schmerzmittel

Beispiel: Wahrnehmungskarte von Schmerzmittel


Prüfen Sie sich:

Welche Medikamente stehen unter stärkster Konkurrenz?
Wie lassen sich diese Medikamente in Begriffen von nur einer der dargestellten Eigenschaften aus Marketing-Sicht am besten beschreiben?
Anhand welcher zwei Eigenschaften lassen sich die Vorzüge eines Medikaments am besten kommunizieren?
Kann ein Unternehmen einen höheren Preis dadurch rechtfertigen, dass sein Medikament sanfter als alle anderen ist?
Welche Eigenschaft (außer „Gut für Kinder") sollte ein Hersteller von Kindermedikamenten zuerst optimieren?
Wahrnehmungskarte von Schmerzmittel-Marken
Sanft
Fairer Preis
Gut für Kinder
Hart zu schlucken
Lange Wirkung
Effektivität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx252 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenBeispiel: Schmerzmittel · Lösung

Beispiel: Wahrnehmungskarte von Schmerzmittel


Prüfen Sie sich:

Welche Medikamente stehen unter stärkster Konkurrenz?Tylenol und Motrin (am nächsten zueinander)
Eine Eigenschaft zur besten Beschreibung?„Sanft" — am weitesten vom Ursprung entlang dieses Vektors
Welche zwei Eigenschaften kommunizieren die Vorzüge am besten?„Sanft" und „Effektivität" (die längsten Vektoren)
Höherer Preis, weil sanfter als alle anderen?Nein! In der Wahrnehmung sind diese Eigenschaften unabhängig voneinander.
Welche Eigenschaft (außer „Gut für Kinder") zuerst optimieren?„Hart zu schlucken" — kleinster Winkel zu „Gut für Kinder".
Wahrnehmungskarte von Schmerzmittel-Marken mit Eigenschaftsvektoren
Sanft
Fairer Preis
Gut für Kinder
Hart zu schlucken
Lange Wirkung
Effektivität
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx253 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenLebensmittel

Wichtigkeit der Wahrnehmung in Positionierung


Kurioser aber typischer Fall

40 Lebensmittel: subjektive Wahrnehmung vs. objektive Eigenschaften.

Wahrnehmungskarte von 40 Lebensmitteln: objektive vs. subjektiv wahrgenommene Eigenschaften
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx254 / 274
6.4 · WahrnehmungskartenLebensmittel · Fazit

Wichtigkeit der Wahrnehmung in Positionierung


Kurioser aber typischer Fall

40 Lebensmittel: subjektive Wahrnehmung vs. objektive Eigenschaften.

Die Wahrnehmung bzw. Bewertung vieler Lebensmittel­eigenschaften hat oft nichts oder sehr wenig mit dem realen Gehalt dieser Eigenschaften zu tun.

Wahrnehmungskarte von 40 Lebensmitteln mit farbig hervorgehobenen Eigenschaftsvektoren
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx255 / 274
Kapitel 7 Kapitelübersicht
7
Kapitel

Ergebnisse berichten

Berichterstellung & Präsentation — Stufe 6 des Forschungsprozesses

Manager sollen den Bericht leicht verstehen, den Ergebnissen vertrauen und wissen, welche Maßnahmen sie ergreifen sollten.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx256 / 274
Kapitel 7 · Ergebnisse berichtenEinordnung

Die letzte Stufe des Forschungsprozesses


1Problem­definition
2Forschungs­ansatz
3Forschungs­design
4Feldarbeit / Daten­erhebung
5Daten­aufbereitung & Analyse
6Bericht & Präsentation
Letzter Schritt

Der Bericht ist der am häufigsten unterschätzte Schritt des Forschungsprozesses.

Voller Wert oder verloren

Selbst eine methodisch perfekte Studie verliert ihren Wert, wenn die Ergebnisse schlecht vermittelt werden.

Ziel

Ergebnisse so darstellen, dass sie unmittelbar in die Entscheidung einfließen — nicht nur zusammenfassen, sondern interpretieren.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx257 / 274
Kapitel 7 · Ergebnisse berichtenBedeutung

Warum Bericht und Präsentation zählen


Gebundener gedruckter Forschungsbericht
Greifbares Produkt

Nach Projektende bleibt oft nur der schriftliche Bericht — er dient als historischer Beleg der gesamten Studie.

Schachkönig als Sinnbild der Managemententscheidung
Entscheidungs­grundlage

Die Management­entscheidung stützt sich auf den Bericht. Ein schwacher Abschluss entwertet die gesamte vorausgegangene Forschung.

Händedruck als einziger Berührungspunkt zwischen Manager und Forscher
Einziger Berührungs­punkt

Viele Manager erleben nur Bericht und Vortrag — und bewerten daran die Qualität des gesamten Projekts.

Kreislauf-Pfeil als Sinnbild für Folgeaufträge
Basis für Folge­aufträge

Die Entscheidung für künftige Forschung oder denselben Dienstleister hängt am wahrgenommenen Nutzen.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx258 / 274
Kapitel 7 · Ergebnisse berichtenProzess

Vom Datenergebnis zum Follow-up


Interpretation der Datenanalyse
Schluss­folgerungen & Empfehlungen
Bericht­erstellung
Mündliche Präsentation
Lektüre durch den Auftraggeber
Research Follow-up
Interpretieren statt zusammenfassen

Die Ergebnisse sollen direkt als Input in die Entscheidungsfindung dienen; wo sinnvoll, werden Schlüsse gezogen und umsetzbare Empfehlungen gegeben.

Vorab abstimmen

Kernergebnisse, Schlüsse und Empfehlungen vor dem Schreiben mit den Entscheidungs­trägern besprechen — das sichert Passung, Akzeptanz und Liefertermine.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx259 / 274
Kapitel 7 · BerichtsformatGliederung

Die typische Gliederung — elf Elemente


Vorspann
  • Anschreiben
  • Titelblatt
  • Inhaltsverzeichnis
  • Executive Summary
Hauptteil
  • Problemdefinition
  • Ansatz & Forschungsdesign
  • Datenanalyse
  • Ergebnisse
Schluss
  • Schlussfolgerungen & Empfehlungen
  • Limitationen & Vorbehalte
+ Eigenständig Anhang — Autorisierung, Fragebogen, Stichprobendetails, technische Tabellen.
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx260 / 274
Kapitel 7 · BerichtsformatVorspann

Was vor dem eigentlichen Bericht steht


Anschreiben

Übergibt den Bericht, fasst die Projekterfahrung zusammen (ohne Ergebnisse) und weist auf nötige Folgeschritte hin.

Titelblatt

Titel im Manager-Ton statt »Research-Speak«; Angaben zu Forscher und Auftraggeber, Datum.

Inhaltsverzeichnis

Haupt- und Unterüberschriften mit Seitenzahlen; danach Verzeichnisse für Tabellen, Grafiken, Anhänge.

Executive Summary
Oft der einzige Teil, den die Geschäftsleitung liest.

Beschreibt knapp Problem, Ansatz und Design und widmet einen Abschnitt den zentralen Ergebnissen, Schlüssen und Empfehlungen. Wird zuletzt geschrieben — erst wenn der gesamte Bericht steht.

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Kapitel 7 · BerichtsformatHaupt- & Schlussteil

Der inhaltliche Kern


1
Problemdefinition

Hintergrund, Gespräche mit Entscheidern und Experten, dann klare Management- und Forschungsfrage.

2
Ansatz & Design

Theoretische Grundlagen, Modelle, Hypothesen; Methoden grafisch und nicht-technisch, Details in den Anhang.

3
Datenanalyse

Analyseplan und -techniken begründen, in einfachen Begriffen mit Beispielen erklären.

4
Ergebnisse

Längster Teil. Gliederung nach Analyseform, Erhebungsmethode oder Zielen — an den Informationsbedarf gekoppelt.

5
Schlussfolgerungen & Empfehlungen

Nicht bloß zusammenfassen: interpretieren und — wenn möglich — umsetzbare Empfehlungen ableiten.

6
Limitationen & Anhang

Grenzen ausgewogen benennen, ohne Vertrauen zu untergraben; Anhang mit Autorisierung, Fragebogen, Stichprobe.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx262 / 274
Kapitel 7 · BerichtsschreibenGrundsätze

Grundsätze guten Schreibens


Leserorientiert

Für die Entscheider schreiben; Fachjargon vermeiden, technische Begriffe in den Anhang.

Leicht zu folgen

Logische Struktur, Überschriften, kurze klare Sätze; von Außenstehenden gegenlesen lassen.

Professionell

Sorgfältige Gestaltung; Typografie variieren — aber nur so weit, wie es das Verständnis stützt.

Objektiv

Design, Ergebnisse und Schlüsse korrekt darstellen, nicht den Erwartungen des Managements anpassen.

Text ↔ Grafik

Schlüsselinfos mit Tabellen/Grafiken verstärken — und Grafiken mit Zitaten zum Leben erwecken.

Prägnant

Alles Unnötige weglassen — Kürze jedoch nie auf Kosten der Vollständigkeit.

Espressotasse»Die Leser Ihrer Berichte sind beschäftigte Menschen — kaum jemand kann Bericht, Kaffee und Wörterbuch gleichzeitig balancieren.«
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx263 / 274
Kapitel 7 · VisualisierungTabellen

Richtlinien für Tabellen


  • Nummer & Titel — eindeutige arabische Nummer, kurzer beschreibender Titel, im Text referenzierbar.
  • Anordnung der Daten — nach dem wichtigsten Aspekt ordnen: Zeit, Größenordnung oder alphabetisch.
  • Maßeinheit — Basis klar angeben (Spalten- vs. Zeilenprozente, Stichprobengröße).
  • Lesehilfen — Linien, Schattierung oder Weißraum führen das Auge über die Zeile.
  • Überschriften, Stubs, Fußnoten — Spaltenköpfe, linke Randspalte, erklärende Fußnoten.
  • Quelle — bei Sekundärdaten die Datenquelle nennen.
Beispiel · Tabelle 25.1 — GlobalCash
EMU-WirkungGesamtSingleDualMultiple
Bestehende Beziehungen46 %41 %45 %48 %
Weniger Banken (Eurozone)33 %31 %30 %35 %
Eine Hauptbank koordiniert33 %43 %39 %29 %
Weniger Banken je Land22 %15 %17 %25 %
Stub = linke Randspalte · Heading = Spaltenkopf · % als Spaltenprozente
Quelle: GlobalCash-Europe98, Statistical Report for Europe, S. 137
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Kapitel 7 · VisualisierungGrafiktypen

Grafiktypen im Überblick


Karten

Geo- und Positionierungskarten zeigen Standorte, Kunden, Wettbewerber — Basis der Geodemografie.

Kreis- / Tortendiagramm

Einfache relative Häufigkeiten. Nicht für Zeitverläufe oder mehrere Variablen.

Liniendiagramm

Verbindet Datenpunkte — ideal für Trends über die Zeit; mehrere Reihen vergleichbar.

Balken / Histogramm

Zeigt absolute/relative Größen und Differenzen. Histogramm = vertikale Häufigkeiten.

Gestapelt / gruppiert

Wenige Datenpunkte, um Unterschiede zwischen Gruppen qualitativ darzustellen.

Schaubilder & Flowcharts

Stellen Prozessschritte oder die Verknüpfung qualitativer Ideen dar.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx265 / 274
Kapitel 7 · VisualisierungZwei Regeln

Zwei Regeln, die man nicht vergisst


Kreisdiagramm
max. 7 Segmente

Für einfache relative Häufigkeiten geeignet — nicht für Zeitverläufe oder Beziehungen zwischen mehreren Variablen.

Vorsicht
Keine 3D-Diagramme

3D verzerrt relative Größen und verwirrt das Publikum. Programme bieten viele 3D-Optionen — kaum eine stellt Daten klar und unverzerrt dar.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx266 / 274
Kapitel 7 · Mündliche PräsentationDer Vortrag

Der Vortrag prägt den ersten Eindruck


Vorbereitung ist alles

Skript/Outline nach dem Bericht, mehrfach proben.

Aufs Publikum zuschneiden

Hintergrund, Interesse und Betroffenheit der Zuhörer kennen.

Visuelle Medien

Flipchart, Projektor, Software — die Botschaft nie aus dem Blick verlieren.

Körpersprache & Stimme

Gestik, Blickkontakt, Lautstärke und Tempo variieren; starker Schluss.

Akustische Gitarre als Metapher: das Werkzeug allein trägt den Auftritt nicht
»My paradigm is the guitar.« Technik ist nur Werkzeug — die gute Gitarre allein trägt den Auftritt nicht. Sie tun es.»Predictability precedes boredom.«
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Kapitel 7 · Nach der PräsentationFollow-up

Research Follow-up


1
Den Auftraggeber unterstützen

Technische Teile erklären, bei der Umsetzung helfen, Folgeprojekte besprechen und Ergebnisse ins MIS/DSS integrieren.

2
Das Projekt evaluieren

Solange es frisch ist, kritisch fragen: »Hätte man das Projekt effektiver oder effizienter durchführen können?«

Vertrauen als Schlüssel

Die Qualität der persönlichen Interaktion zwischen Manager und Forschendem prägt die wahrgenommene Qualität des Berichts selbst. Vertrauen beeinflusst Beziehungsqualität, Engagement, Bindung — und letztlich, wie stark die Marktforschung tatsächlich genutzt wird.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx268 / 274
Kapitel 7 · InternationalLänder & Sprachen

Berichte über Länder und Sprachen hinweg


Mehrere Versionen

Für Management in verschiedenen Ländern und Sprachen eigene, leserspezifische Versionen — inhaltlich vergleichbar, im Format ggf. unterschiedlich.

Kulturelle Sensibilität

Beim Vortrag kulturelle Normen beachten — Humor ist nicht überall angebracht. Empfehlungen ggf. länderspezifisch anpassen.

Praxisbezug

Parallel gepflegte Sprachversionen (z. B. DE / RU / KZ) sind kein Übersetzungs-, sondern ein Berichtsproblem: feldweise Lokalisierung, vergleichbare Kennzahlen, konsistente Begriffe.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx269 / 274
Kapitel 7 · EthikIntegrität

Integrität bei Interpretation und Bericht


Waage als Sinnbild für Integrität und Objektivität
33%

der befragten Marktforscher nennen Fragen der Forschungs­integrität als ihr schwierigstes ethisches Problem.

Typische Verstöße
  • Relevante Daten ignorieren
  • Das Forschungsdesign kompromittieren
  • Statistiken bewusst missbrauchen
  • Zahlen fälschen oder Ergebnisse verändern
  • Ergebnisse zugunsten einer Sichtweise umdeuten
  • Informationen zurückhalten

Versuchung widerstehen: Aus uneindeutigen Befunden eine »kohärente, wohlgeformte Geschichte« zu formen, ist befriedigend — aber unethisch. Objektivität wahren, auch wenn nichts Signifikantes herauskommt.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx270 / 274
Kapitel 7 · Reporting heutePush → Pull

Vom »Push« zum »Pull«


Damals
  • Gedruckter Bericht, »push«
  • Passwortgeschützte Intranet-Berichte
  • Erste Multimedia-Reports im Web
  • Suchbar, weltweit abrufbar
Heute
  • Interaktive Dashboards, »pull«
  • Echtzeit-Daten & Live-Filter
  • Kreuztabellen und Gewichtung on demand
  • Verknüpfte Reports, Regeln zur Robustheit
Interaktives Analyse-Dashboard auf einem Tablet
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx271 / 274
Kapitel 7 · ZusammenfassungTake-aways

Die wichtigsten Take-aways


1
Letzter Schritt, voller Hebel

Bericht und Präsentation entscheiden über den wahrgenommenen Wert der gesamten Studie.

2
Interpretieren, nicht referieren

Ergebnisse als Entscheidungsinput aufbereiten — mit umsetzbaren Empfehlungen.

3
Leser zuerst

Jargon vermeiden, klar strukturieren, Text und Visualisierung gegenseitig stützen.

4
Visualisierung mit Disziplin

≤ 7 Tortensegmente, Vorsicht bei 3D, Tabellen sauber beschriften.

5
Mensch vor Technik

Der Vortrag lebt vom Vortragenden — nicht von der Folie.

6
Integrität & Follow-up

Objektiv bleiben, beim Auftraggeber nachfassen, das eigene Projekt evaluieren.

QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx272 / 274
Grundlagen der UmfrageforschungÜber den Autor

Über den Autor


Dr. Paul Marx

Dr. Paul Marx war Professor für Marketing an der Universität Siegen, wo er insbesondere zu E-Commerce, Präferenzmessung, Neue Medien, Big Data und Empfehlungssystemen forschte. Er studierte Aero- und Hydrodynamik sowie Management an der Staatlichen Technischen Universität Nowosibirsk (Russland) und bekleidete anschließend leitende Positionen im Marketing. Im Jahr 2000 zog er nach Deutschland, vertiefte sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hannover und gründete den Online-Service für Online-Umfragen eQuestionnaire — heute QUESTIONSTAR. Paul promovierte an der Bauhaus-Universität Weimar und veröffentlichte seine Forschung in führenden internationalen Zeitschriften, u. a. im Journal of Marketing.

Motaev Marx Motaev GbR Vahrenwalder Str. 253 · 30179 Hannover · Germany T +49 511 89 86 15 34 E info@questionstar.de
QUESTIONSTAR · Dr. Paul Marx273 / 274
Grundlagen der UmfrageforschungQuellen

Referenzen & Lizenz


Referenzen
  • Backhaus, K., Erichson, B., Plinke, W., Weiber, R. (2015): „Multivariate Analysemethoden: Eine anwendungsorientierte Einführung“, Springer Gabler, 14. Auflage.
  • Brandt, D. R. (1996): „Secure Customer Index“, Maritz Research.
  • Bruner, G. C. (2012): „Marketing Scales Handbook“, Vol. 6.
  • Burke, Inc. — burke.com.
  • Chuang, S.-C., Chen, H.-C. (2008): International Journal of Design.
  • Malhotra, N. K. (2020): „Marketing Research: An Applied Orientation“, Prentice Hall, 6th edition.
  • Marx, P. (1979–2026) — eigene internationale Erfahrung.
  • Moore, W. L., Pessemier, E. A. (1993), S. 145.
  • Myers, J. H. (1996): „Segmentation & Positioning for Strategic Marketing Decisions“, South Western Educ. Pub.
  • Noelle-Neumann, E., Petersen, T. (1998): „Alle, nicht jeder. Einführung in die Methoden der Demoskopie“, Springer, S. 192.
  • Reichheld, F. (2003): „The One Number You Need to Grow“, Harvard Business Review.
  • Reichheld, F., Markey, R. (2011): „The Ultimate Question 2.0“, Harvard Business Review Press.
  • Sullivan III, M. (2010): „Statistics: Informed Decisions Using Data“, Pearson, 3rd edition.
  • Visocky O'Grady, J. & K. (2009): „The Information Design Handbook“, HOW Books.
  • Course „Statistics I“ of Elgin Community College.
Lizenz & Haftungsausschluss
CC BY-NC-SA 3.0

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